31 6 J Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Katholizismus als gegebene Macht anerkennen mußte, entsprach
auch auf religiösem Gebiete ganz der Sinnesweise des Kur—
fürsten. Gewiß sah auch er im Katholizismus den alten bösen
Feind, aber er hielt ihn für nunmehr unbedeutend, für mehr
als halb schon vernichtet. „Wir befurchten,“ hatte er 1866
—
welt dermaßen an den tag geben, das es in sich selbst felt
und zu boden gehet) weniger schadens und nachteils, als von
der uneinigkeit, spaltung und gehessigen gezenk derjenigen, so
sich des evangelii und Augustanae confessionis rühmen“.

Kurfürst August begründete nun von seinem Standpunkte
aus mit all der Energie, die ihn auszeichnete, und mit all der
Autorität, die die Geschichte seines Landes ihm gewährte, all—
mählich eine große protestantisch-konservative Partei. Er gewann
Kurbrandenburg für sich und ebenso Hessen, mit dem er im
Jahre 1555 ältere Erbeinigungen erneuert hatte, und dieser
Trias folgten die kleineren protestantischen Stände fast des ge—
samten inneren Norddeutschlands.

Kurpfalz konnte gegen diese geschlossene Bildung nicht auf—
kommen. Aber allmählich verstand auch Kurfürst Friedrich
Freunde zu sammeln; neben kleineren Reichsständen des Westens
hielt namentlich Württemberg nicht selten zu seiner Fahne.

Mit dem Gegensatz der pfälzischen und sächsischen Partei
war eine verhängnisvolle Spaltung des Protestantismus an—
gebahnt, deren Wirkungen sich fast bis zum schließenden Jahr—
zehnt des dreißigjährigen Krieges erstreckt haben. Und wenn
es bei den politischen Differenzen geblieben wäre! Aber zu ihnen
kamen religiöse, dogmatische, wie sie gerade dem überreich
sprudelnden geistigen Leben des Protestantismus entquellen mußten.

Luther hatte in seiner großen Zeit das neue Evangelium
als Lebenshaltung entdeckt; kaum daß es sich ihm anfangs
um die Frage eines besonderen Bekenntnisses handelte. Aber
den Jahren der ersten Begeisterung folgten Zeiten systematischen
Ausbaues des Gewonnenen; und schon die Abgrenzung gegen
die alte Kirche zwang zur Auseinandersetzung mit dem dog—
matisch fixierten Gedankenvorrat vieler Jahrhunderte. Nun