318 Sechzehntes Buch. Drittes Lapitel.
Schlagzeug des 16. Jahrhunderts wurde der Kampf von beiden
Seiten her von Jahr zu Jahr erbitterter geführt, Kirchen und
Lehrsäle hallten wieder von schimpflichem Geschrei; und schon
im Religionsgespräche zu Worms (Herbst 1557) wurden die
Gegensäte aller Welt und damit auch den Katholiken offenbar.

Vor allem ergab sich da immer mehr, daß die wichtigsten
der besonderen Lehren des alten Humanisten Melanchthon nahe
Verwandtschaft besaßen mit den Lehren der reformierten Schweizer,
mit Anschauungen Zwinglis — und vor allem mit Anschau—
ungen Calvins. So glaubten z. B. die Flacianer schon zu
Worms Melanchthon treffen zu können, indem sie beantragten,
Talvins Abendmahlslehre zu verdammen. Und so mischte sich
in die bestehenden Gegensätze des Altluthertums und des Me—
lanchthonismus ein drittes Element, das des Calvinismus. Dies
Element aber wurde rasch von um so größerer Wichtigkeit, ja
drängte sich schließlich überwuchernd in den alten Gegensatz,
als die Lehre Calvins im Westen Deutschlands und namentlich
jenseits der Westgrenzen anfing, eine mächtige Verbreitung zu
finden!.
Nirgends aber faßte der Calvinismus fester und früher
Fuß, als in der Kurpfalz; bereits Ottheinrich hat den refor—
mierten Franzosen Boguin in der Heidelberger theologischen
Fakultät angestellt, und schon bei seinem Tode (1856) erwiesen
sich Geistlichkeit, Beamtentum und Universität nach calvinischer
und lutherischer Lehre gespalten.

Was aber bei Ottheinrichs Lebzeiten mehr selbständig ein—
gedrungen war, das wurde von Friedrich III. von Jahr zu
Jahr bewußter und systematischer eingeführt. Im Jahre 1563
war Friedrich so weit gelangt, daß er eine neue Kirchenver—
fassung in calvinischem Sinne begründete; Jahrs darauf krönte
er sie durch endgültige Einrichtung eines völlig calvinisch gedachten
obersten Kirchenrats. Und gleichzeitig hiermit erschien, von den
calvinischen Theologen Olevianus und Ursinus verfaßt, der
Heidelberger Katechismus, und in den Gemeinden des Landes
verschwanden die lutherischen Pfarrer, ohne daß es übrigens,
1S. oben S. 549 ff.