Protestantismus und Gegenreformation im Reiche. 621
Jahre 1559 und 1566, sowie des Regensburger Tages zur Wahl
König Rudolfs II. (im Jahre 1575). Noch dauerte die allge—
gemeine politische und geistige Vorwärtsbewegung der Pro—
testanten, wenn auch in immer weniger energischen Schritten,
fort; und ihr Charakter verlieh der pfälzischen Politik noch
immer soviel Kraft, daß sie dem von Sachsen geführten, an
sich viel mächtigeren Luthertum die Wage halten konnte.

Aber der Reichstag zu Augsburg vom Jahre 1576 brachte
den Umschlag und damit die offene Spaltung der protestan—
tischen Parteien.

Zu Regensburg hatte Kurpfalz im Jahre 1575 wieder ein—
mal die Aufhebung des geistlichen Vorbehaltes beantragt, und zwar
bornehmlich in dem Sinne, daß den geistlichen Ständen die
Freiheit gewährt werde, unbeanstandet zur Augsburgischen
Konfession überzutreten. Zugleich aber hatten die Pfälzer
Räte die längere Zeit fast vergessene Deklaration König Ferdi—
nands J. vom 24. September 1558, ursprünglich das Korrelat
zum geistlichen Vorbehalt!, wieder hervorgeholt; nach ihr sollten
die protestantischen Unterthanen geistlicher Fürsten Duldung
zenießen. Diese Deklaration wünschten sie jetzt feierlich bestätigt
und dem Religionsfrieden von 15565 einverleibt zu sehen.

Auf dem Tage zu Regensburg hatten die pfälzischen
Staatsmänner ihr Ziel nicht erreicht; wohl aber war ihnen
die erneute Erörterung ihrer Wünsche auf dem kommenden
Reichstag zu Augsburg, 1576, versprochen worden. In der
That brachte jetzt Kurpfalz, von den protestantischen Ständen
des Westens gut unterstützt, die Sache wieder vor und erreichte,
daß fast sämtliche protestantische Gesandte die auch diesmal
wieder geforderte Türkenhilfe zu verweigern drohten, es sei denn
zuvor wenigstens die Deklaration bewilligt.

Aber in diesem Augenblick trafen die Verbündeten auf den
hartnäckigsten Widerstand des Kaisers, der Katholiken und vor
allem des päpstlichen Nuntius Morone, der die katholische
Sache mit Geist und Eifer vertrat. Und nun stellte sich Kur—

1 S. oben S. 459 und 460.