326 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel.
fordern dürfe. Nach wiederholter Begutachtung von allen Seiten
ging das Buch schließlich aus einer letzten Beratung Andreäs,
Chemnitzens und Selnekkers, die zu Kloster Bergen bei Magde—
burg im Jahre 1577 stattfand, vollendet hervor. Und nun
wußte Kurfürst August, ob auch die widerlichsten theologischen
Kämpfe weiter tobten, dem Buche dennoch allmählich wie die Zu—
stimmung seiner Landeskirche, so die Anerkennung vieler fürstlicher
Glaubensgenossen und protestantischer Reichsstädte zu gewinnen;
und am 25. Juni 1580 konnte er es, von diesen Zustimmungen
begleitet, feierlich veröffentlichen.

Es war gewiß eine bedeutsame Kundgebung des protestan—
tischen Geistes. Aber sie besiegelte für Deutschland zugleich den
dogmatischen Zwiespalt der protestantischen Entwicklung. Und
auch an eine Ausgleichung der calvinischen und lutherischen Gegen—
sätze selbst nur für das praktisch-politische Handeln war jetzt nicht
mehr zu denken. Das bedeutete in diesem Augenblick die Ver—
rwigung des Zwiespalts der westlichen und östlichen Protestanten:
alsbald schon nach der Entdeckung der kryptocalvinischen Strö—
mungen in Sachsen war Kurfürst August in schneidenden
Gegensatz zur Kurpfalz getreten.

Nun war zwar in der Pfalz nach dem Tode Friedrichs III.
26. Oktober 1576) unter dem neuen, kränklichen und schwachen
Kurfürsten Ludwig das Luthertum wieder eingeführt worden und
Ludwig hatte nach einigem Zögern sogar die Konkordienformel
unterschrieben: das wichtigste Verbreitungsgebiet des Calvinismus
in Deutschland schien beseitigt. Mit nichten beseitigt aber
war der calvinische Glaube. Die weitverbreitete Hinneigung
zu den Lehren Melanchthons kam jetzt überall dem Calvinismus
zu gute; allenthalben, namentlich am Rhein, wuchs die Zahl seiner
Bekenner. Schon traten hier und da neue kleine Calvinisten⸗
kirchen hervor, so in Nassau⸗Dillenburg, in Bremen — und
wie lange konnte es währen, bis auch in der Pfalz die Lehre
Calvins von neuem zum Durchbruch kam?

So war die Powen— Einheit der Protestanten jetzt
für immer dahin. Sié war es um so mehr, als auch einzelne
hedeutende protestantisch-lutherische Stände wiederum der