Drotestantismus und Gegenreformation im Reiche. 627
Konkordienformel nicht beigetreten waren. Die Losung war
daher für alle Denominationen des Protestantismus von nun
1b mehr als je engherziger Abschluß. Indem die Gegensätze
reinlich ausgearbeitet wurden, traten sie erst recht hervor; und
aus den konfessionellen Differenzen erwuchsen neue Verschieden—
heiten auch der politischen Stellung.

Zur selben Zeit aber, da der Protestantismus so zu
ebben begann, stieg hoch und höher die Flut des Katholizis—
mus. Die katholische Frömmigkeit erlebte einen neuen Auf—
schwung, der nach mannigfachen, teils halb politischen, teils
frei gesellschaftlichen Anfängen seinen vornehmsten Ausdruck in
der Gründung des Jesuitenordens fand; das Papsttum ward
wiederum ein kirchliches Amt; der Kirche erwuchs aus den
Satzungen des Konzils von Trient ein gewaltiger Halt; und
einmütig schließlich und mitthätig vertrauten die deutschen
Katholiken von neuem auf die Wirkungen ihrer glücklich wieder
geordneten Kirche.

II.

Der heilige Ignatius (Don Jñigo Recalde de Loyola),
im Jahre 1491 geboren, war ein jüngerer Zeitgenosse Luthers.
Aber nicht in der rußigen Stube einer armen Bergmannsfamilie
erblickte er das Licht der Welt. Er war der Sproß eines
der ersten Adelshäuser jenes rätselhaften, mit feurigster Ein—
bildungskraft ausgestatteten Volkes der Basken; nicht weit von
San Sebastian ragte das Schloß seiner Ahnen hoch in die
hlaue Luft der Pyrenäen. Als von edelster Geburt hat er sich
auch sein ganzes Leben hindurch erwiesen; niemals ist ihm Gemeines
nahe getreten. Sein Beruf schien zunächst mit seinem Stande ge—
geben; als kühner Kriegsmann zeichnete er sich schon in jungen
Jahren aus. Da bannte ihn im Jahre 1521 eine schwere Ver—
wundung, die er sich im Kampfe um das navarresische Pam⸗
pelona zugezogen, ans Krankenlager; der Ritterromane satt las
er Heiligenlegenden; und der Thatsache gewiß, daß er, wenn
auch genesen, doch zum Kriegsdienste niemals mehr werde tauglich