Protestantismus und Gegenreformation im Reiche. 629
Und alsbald begriff er, daß es hierzu anderer Vorkennt⸗
nisse als der seinigen bedürfe. Nach einer fromm⸗abenteuer—
lichen Fahrt zu den Stätten des Morgenlandes, da seine gegen—
ständliche Phantasie greifbar die Fußspuren des Herrn zu be—
rühren meinte, studierte er eifrig zu Barcelona, zu Alcala und
Salamanca, sowie, nachdem er dort als religiöser Sonderling
der Inquisition verdächtig geworden war, seit Anfang des Jahres
1528 zu Paris. Und indem er nun im geistigen Centrum der
westeuropäischen Nationen der vollen Auffassungswelt dieser
Nationen näher trat, indem er sah, wie sich in Deutschland der
freche Geist einer angeblich neuen evangelischen Freiheit zügellos
züngelnd erhob, ward er sich klar über die Ziele eines christlichen
Ritters. Nicht dem äußeren Kampfe gegen die Heiden, wie er
wohl geträumt, sollen seine Dienste gewidmet sein, der Vertei—
digung vielmehr der mittelalterlichen Frömmigkeit, in der er
lebte, und die in seinem Heimatland bald in den Meditationen
des Petrus von Alcantara und der seligen Theresia von Jesu
wie in den Heiligenbildern der großen spanischen Maler eine glän—
zende Auferstehung feiern wird. Dieser Frömmigkeit, der Kirche,
die sie entwickelt hat, und dem Papsttum, das diese Kirche krönt.
soll der Strom seines Lebens fließen.

Und nicht bloß der seine. Schon längst hatte er erkannt,
daß es für seine Ziele der vereinten Anstrengung gleichge—
stimmter Geister bedürfe. So hatte er eine Schar begeisterter
Genossen zu sich heranerzogen, den Savoyarden Petrus Faber,
den künftigen Verbreiter des Jesuitismus in Deutschland, eine
schwärmerisch-unselbständige Natur, doch unter energischer Leitung
der größten Dinge, selbst höchster diplomatischer Klugheit fähig,
ferner den Navarresen Franz Tavier, dereinst den großen Heiden—
apostel des Ordens, dann die Kastilianer Diego Lainez, den
klar Zerlegenden, und Alonso Salmeron, den Feurigen, die beiden
großen Theologen, die Helden des Tridentinums, endlich den
liebenswürdigen Alfons Bobadilla und andere. Und sie alle
wußte er völlig eins mit sich zu machen, indem er sie denselben
Bildungsgang durchlaufen ließ, den seine eigene Entwicklung
genommen hatte.