332 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel.
bezieht sie auf die Kirche, gießt sie in wild entfesselte Energie
um und macht sie in diesem Sinne, einen unwiderstehlichen
Strom weltvergessender Begeisterung und Thatkraft, der einen
Kirche dienstbar.

Damit drängte die neue Frömmigkeit ohne weiteres auf
Thaten. Und indem sie zu einem Gemeingut des Kreises
junger Leute geworden war, die der heilige Ignatius um sich
gesammelt hatte, war sie an die Lebensäußerungen eben dieses
Kreises gebunden. Welche Pläne wurden da nicht geschmiedet!
Man wollte in Palästina der Kirche Ritterdienste verrichten.
Man verbrachte manches Jahr in halb abenteuerlicher
Predigt und Seelsorge in den oberitalienischen Ländern und
zu Rom. Endlich aber fanden sich, um die Wende der
dreißiger und vierziger Jahre des sechzehnten Jahrhunderts, die
rechten Formen für die neue Absicht. Am 17. September 1540
erhielt der heilige Ignatius für sich und seine Schar durch
eine päpstliche Bulle mit den bezeichnenden Eingangsworten
„Regimini militantis ecclesiae“ den Charakter eines Kriegs⸗
fähnleins Christi, einer Compañia de Jesus: einer frommen
Truppe, die sich der Förderung der Seelen in Leben und Lehre und
der Verbreitung des rechten Glaubens widmen sollte in Keuschheit
und Armut und in absolutem Gehorsam gegen den Oberen, in
dem Christus als gleichsam gegenwärtig anzuerkennen und zu
verehren sei. Als Oberster aber aller menschlichen Oberen er—
schien der Papst, der Herrscher der hierarchischen Kirche. Es
sind die Anfänge des Jesuitismus.

Die Gesellschaft sollte anfangs nicht über sechzig Mit—
glieder umfassen; bald aber fanden sich der frommen Streiter
mehr, und eine Bulle vom 14. März 1548 hob die Begrenzung
der Mitgliederzahl auf. Damit erst recht begann unter der
Leitung Ignazens als des ersten Generals der neuen Armee
die Organisation des Kampfes.

Natürlich, daß sie eine monarchische, ja eine absolutistische
sein würde. Was besagte das Bestehen einer Generalkon—
gregation des Ordens neben dem General? Die untersten Glieder
der Gesellschaft begaben sich ihres Willens und Intellekts zu