334 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel.
gingen, ehe der Zugelassene sich den heiligeren Zirkeln des
Ordens nahen durfte. Da gab es Probezeiten im Feuer immer
wiederholter geistlicher Exercitien und Jahre, in denen der
Einzelne vornehmlich nur noch beobachtet, untersucht, getadelt,
zerügt ward. Da gab es Prüfungen in der Krankenpflege
und in der Demut des Bettels, im Lehramte und in der Seel—
sorge, im Kirchendienst und in der Wahrnehmung der niedrigsten
Verrichtungen des Hauses. Es war eine volle neue Welt
mannigfachen Thuns, die sich den Mitgliedern des Ordens,
wie jetzt etwa den Offizieren einer unserer modernen Armeen,
die ja auch Staaten im Staate bilden, erschloß.

Aber so reich und den verschiedensten Begabungen ange—
messen auch das Feld der Thätigkeit war — der handelnde
Jesuit gehörte niemals sich selbst. Hatte er von vornherein
sein Vaterland und die Sprache seiner Kindheit vergessen, hatte
er Eltern und Geschwister verleugnet und verzichtet auf Ehre
und Besitz —, so fand er im Orden nicht einmal den freien
Odem der Freundschaft wieder. Willenlos, wehrlos, fiel er nur
dem Ideal der Gesellschaft anheim; sein Denken, sein Thun,
sein Lieben gehörte nur ihr. Und Einrichtungen mechanischen
Zwanges sorgten dafür, daß er in diesem Zustand verharre.
Schritt für Schritt, Stunde für Stunde sah er sich beaufsichtigt,
all sein Handeln und Sinnen lag offen vor dem Auge einer
allgegenwärtigen Denunziation, deren Ausübung Pflicht war;
nicht vor dem Verhältnis des Freundes zum Freunde, nicht
vor den Beziehungen des Lehrers zum Schüler machte die
Delationspflicht Halt. Und damit jene Gebundenheit des
Geistes und Willens aufrecht erhalten werde, die der Orden
oerlangte, und die sonst nur dem Geistesleben niedriger Kulturen
noch kommunistischen Wirtschaftslebens entspricht, ward im
Orden selbst als Voraussetzung des geistigen Daseins ein wirt—
schaftlicher Kommunismus entwickelt. Das ist der Sinn der
Lehre von der Tugend der heiligen Armut, die gebot, daß bei allem
Reichtum des Ordens der Einzelne niemals eine Sache als
eigen ansehen und gebrauchen dürfe.

All das Menschliche aber, das die Gesellschaft so, auf ihr