340 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Einfluß der Kurie, indem sie die Abstimmung nach Köpfen
durchsetzten; denn diese gab den kurialistisch gesinnten und stets
besonders zahlreich erscheinenden Italienern den Ausschlag.

Unter diesen bald fest geschaffenen Voraussetzungen ging
nun das Konzil früh an die Fixierung des dogmatischen
Gegensatzes zu den Protestanten. Natürlich: dogmatische Er—
örterungen störten die Kurie weit weniger, als die gefährlichen
Materien der Kirchenreform.

Anders aber dachte jetzt der Kaiser. Er stand soeben im Be—
griff, gegen die deutschen Protestanten loszubrechen!; ihm mußte
es in diesem Augenblick gerade darauf ankommen, daß diese einge—
schläfert und in ihrem Glaubensstand nicht durch amtliche katholische
Angriffe gestört wurden. So wünschte er nunmehr vor allem eine
Reform der alten Kirche; und er blieb bei dieser Meinung trotz allen
Widerstrebens der Kurie. Damit war das nächste Ergebnis der Be—
rufung des Konzils steigende Spannung zwischen den beiden
Polen der mittelalterlichen, katholischen Welt, zwischen Papst
und Kaiser: es kam so weit, daß der Kaiser befahl, die feierliche
Veröffentlichung gewisser dogmatischer Beschlüsse zu gunsten
reformatorischer Beratungen aufzuschieben. Aber eben als dies
geschah, trat eine Seuche in Trient auf, und der Papst konnte
das Konzil aus dem Machtbereich des Kaisers hinweg nach
Bologna verlegen — den 11. März 1547.

Der Kaiser antwortete auf die Maßregel mit Verwahrungen
und dem Befehl an die deutschen Bischöfe, in Trient zu bleiben.
So kam man in Bologna zu keiner Tagung; die Bischöfe ver—
ließen, einer nach dem andern, sachte die Stadt, und im Sep—
tember 1547 vertagte der Papst das Konzil von neuem ins
Unbestimmte.

Allein der Ruf nach einem Konzilium ertönte weiter von katho—
lischen wie protestantischen Lippen, so daß der Kardinallegat
Monte, nun als Julius III. Papst geworden, sich veranlaßt
sah, die Viter von neuem zu berufen: am 1. Mai 1551 trat
man zu Trient wiederum zusammen. Freilich, die Haltung der

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