Protestantismus und Gegenreformation im Reiche. 64]
Kurie blieb die alte, umsomehr, als Protestanten an den
Sitzungen teilnahmen; und als das kühne Vordringen Moritzens
von Sachsen den Kaiser aus Innsbruck verscheuchte! und das
Herannahen eines protestantischen Heeres südlich des Brenners
zu befürchten schien, so daß die Väter eiligst von dannen wichen,
sprach die Kurie von neuem die Suspension des Konziliums aus.

Diese Vertagung hat fast ein Jahrzehnt gewährt. Aber
währenddes änderten sich die Dinge auch an der Kurie. Auf
die wüsten Tage Papst Pauls IV., der durch leidenschaftlichste
Erhebung mittelalterlich-hierarchischer Ansprüche sich alle Welt,
—
liche Zeit Pius' IV. (1560 -1565); und dieser Papst sah nun—
mehr, zum großen Teil aus der Initiative seiner Kurie, seiner
Kardinäle heraus, das Konzil nicht ungern zu Trient am
12. Januar 1562 von neuem eröffnet.

Indem aber jetzt von einem Ausgleich mit den Protestanten
oder gar von einer unmittelbaren Zurückführung der Ketzer in
den Schoß der Kirche nicht mehr die Rede war, schoben sich
auf dem neu zusammengetretenen Konzil vor allem die eigensten
Bedürfnisse des Katholizismus in den Vordergrund, und damit
wurden neben den dogmatischen auch die Reformfragen brennend.
Es war ein Wechsel der Konstellation, der namentlich in Wien
begriffen ward; Kaiser Ferdinand als Universalvogt der Kirche
griff darum ein und beantragte in einer Denkschrift zahlreiche
kirchliche Verbesserungen, ja stellte sogar einige dem Protestan—
tismus sich nähernde Anträge, so auf Aufhebung des Cölibats
und auf Zulassung des Abendmahls unter beiderlei Form.
Natürlich, daß ein solches Vorgehen der Kurie trotz einigen
Reformeifers sehr wenig genehm war. Wie aber gar, als es
sich nun mit einer Opposition von andrer Seite her verknüpfte!

Im Konzil waren neben den Italienern vor allem die
Spanier zahlreich vertreten; kein Wunder: die Kirche Spaniens
feierte gerade damals ihren höchsten Aufschwung, sie konnte sich
stolz als den Hort katholischer Frömmigkeit, als die Hüterin

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