Protestantismus und Gegenreformation im Reiche. 643
rechtmäßigen Einwirkung liegend erachtet. So trat das
Konzil auch in die Beratung der weltlichen Vorschläge der
Kurie ein.
Was aber sollten die weltlichen katholischen Regierungen
dazu sagen? Sie waren am Ende froh, als der Papst, nach
Abschwächung der weltlichen Reformvorlage zu einigen all—
gemeinen und darum nichtssagenden Sätzen und nach Annahme
einiger immerhin nicht unbedeutenden kirchlichen Reformen, das
Konzil am 4. Dezember 1568, und nun für immer, schloß.

Falsch wäre es indes, wollte man nach den eigenartigen
äußeren Schicksalen des Konzils nun auch dessen innere Ergeb—
nisse beurteilen. Je länger je mehr hatte sich in den Be—
ratungen des Konzils trotz allem das Beste an Empfinden,
Denken und Wollen zusammengefunden, das der Katholizismus
um die Mitte des 16. Jahrhunderts aufwies. Und das
Resultat war die Schöpfung jener katholischen Kirche, die bis
zum Vaticanum des 19. Jahrhunderts bestanden hat.

Selbst auf dem verhältnismäßig spät in Angriff ge—
nommenen Gebiete der kirchlichen Reformen wurde schließlich
Großes erreicht. Dem Klerus in seinen verschiedenen Ab—
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noch mehr eine sichere kirchliche Gesinnung verbürgender Er—
ziehungsweg vorgeschrieben und durch allmähliche Einrichtung
von Seminarien ermöglicht; das kirchliche Verhalten der ange—
stellten Kleriker wurde durch das protestantische Mittel der
Visitationen beaufsichtigt und geregelt, sowie durch eine strenge
Durchbildung der bischöflichen Gerichts- und Disziplinargewalt
noch mehr gefestigt. Endlich wurde für alle Grade der Geistlichkeit
die Residenzpflicht und das Verbot der Häufung von Pfründen in
einer Hand durchgeführt, so daß man sich einer vernünftigen
Ausnützung der finanziellen Mittel der Kirche gewiß halten
durfte.
In der Durchführung all dieser Maßregeln hat sich die
katholische Kirche allmählich eines vielfach pflichtvergessenen
Klerus entledigt und Diener herangezogen, die im kirchlichen