346 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel.
wollen der Dogmen, schlimmstens äußerliche Unterwerfung unter
unbegreifliche Lehrsätze. Natürlich waren die mittelalterlichen
Sakramente unter diesen Umständen als Nahrung frommer
Gefühle notwendiger als je, und das Tridentinum hat darum
ihre Lehre ganz besonders gepflegt; ihre magischen Wirkungen
sollten den protestantischen Glauben, den freien Aufschwung
der Einzelpersönlichkeit zu Gott, ersetzen. Und in demselben
Sinne geschah es, daß das Konzil über Ablässe, Bilder- und
Reliquienverehrung, Heiligenkult und verwandte Werkzeuge
mittelalterlicher Frömmigkeit die eingehendsten Bestimmungen
der Regelung und Wiederbelebung traf.

Erreicht ward mit alledem für die künftige Lebenshaltung
des Katholizismus, trotz der theoretisch unsicheren Stellung des
Dogmas, dennoch praktisch Gewaltiges. In beständigem Gegen—
satze zum Protestantismus, dessen Lehren ein ununterbrochenes
Anathema zugerufen ward, erschien in dem System des
Tridentinums das mittelalterliche Glaubensleben verjüngt und
von den Schlacken des Verfalls befreit; und berechtigt erschien
die Hoffnung, daß die Wogen des vordringenden Protestantis⸗
mus sich an ihm als einem sturmbewährten Felsen der Vorzeit
horechen würden.

Das war die innere Gewißheit, mit der sich die besten
Geister der alten Kirche ein Jahrzehnt etwa nach dem Triden—
tinum zu erfüllen begannen. Und schon erschienen um diese
Zeit die Gesellschaft Jesu wie die Kurie als sichere Leiter und
Berater dieser Besten.

Die Gesellschaft Jesu hatte noch während der Konzils⸗
jahre ihre Angriffsstellung in Deutschland zu entwickeln be—
gonnen.
Klar hatte sich vor allem gezeigt, daß der Protestantismus
am besten mit den Mitteln des klassischen Unterrichts bekämpft,
der Katholizismus am besten durch sie gekräftigt werden könne.
Der Protestantismus, an sich eine neue Stufe frommen Ver—
haltens zu Gott, hatte doch zu seiner Entwicklung eines mit