Protestantismus und Gegenreformation im Reiche. 649
Vorschrift und häufiger Beichte unterwarfen und im Gehorsam
der Jesuiten dahinlebten, jedes seelsorgerischen Winkes der
Väter gewärtig.

Und wie faßten all diese Mittel in der meuternden
katholischen Gesellschaft Deutschlands Fuß! Allseitig wurden sie
schließlich angegriffen, diese im Glauben schwankenden Bischöfe,
diese konfessionell gemischten Domkapitel, dieser verlaufene und
sittlich verwahrloste Klerus; und mehr noch als ihnen wurde
der Laienwelt erfolgreich zugesetzt.

Im Jahre 1540, gelegentlich des Religionsgespräches zu
Worms, betrat in Petrus Faber der erste Jesuit den deutschen
Boden. Er richtete im Religionsgespräch nichts aus, erfolg—
reich aber bemühte er sich um die Besserung des Klerus der
Bistümer Worms und Speier. Dann ging er, 1541, nach
Regensburg; und hier, angesichts der katholischen Hauptmacht
Bayern, wirkten seine während des Reichstages abgehaltenen
geistlichen Ubungen so anziehend, daß ihm zwei Brüder zur
Seite treten mußten, Le Jay und Bobadilla. Bald darauf
gewann er in Mainz den Holländer Pieter de Hondt, den
heiligen Canisius, seinem Orden; Canisius ist später der erste
Ordensprovinzial für Deutschland gewesen. Bobadilla aber
ging an den Hof der zweiten katholischen Macht, Österreichs;
noch im Jahre 1541 erschien er bei König Ferdinand zu
Innsbruck.

In der That mußten vor allem Bahern und österreich ge—
wonnen werden.

In Bayern ward bald Ingolstadt zum Hochsitz der Jesuiten.
Im Jahre 1546 war Eck, die Säule der theologischen Fakultät
der Ingolstadter Universität, gestorben; es waren auch weitere
Vakanzen eingetreten. Da beschloß Herzog Wilhelm IV. eine
volle Reorganisation und erbat dafür Jesuiten aus Romm. Im
Jahre 1549 trafen deren drei ein, darunter Canisius; unter
mannigfachen Kämpfen setzten sie schließlich im Laufe von
dritthalb Jahrzehnten die Umwandlung Ingolstadts in eine
iesuitische Universität durch. Inzwischen aber hatten sie längst
in München (1559) ein besonders blühendes Gymnasium er—

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