352 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Geist des Papsttums überhaupt ein anderer. Der Sacco di
Roma (152719) hatte in Italien die heitere Höhezeit der
Renaissance abgeschlossen; das Antlitz der besseren Gesellschaft
zeigte seitdem hippokratische Züge. Auf dem Stuhle Petri
kann der Farnese Paul III. (15334-1549) als letzter Renaissance—
papst gelten; seine Schwester war noch die Maitresse Alexanders VI.
gewesen, auch seine eigene Vergangenheit machte ihn nicht eben
des obersten Hirtenamtes der Kirche würdig. Trotzdem hat
schon er die Inquisition gegen die Ketzer verschärft, und sein
Hof lebte bereits ein ernsteres Dasein. Die Nachfolger Pauls
aber waren der würdige Julius III., der edle Marecellus II.,
trotz eines Pontifikats von nur 21 Tagen unsterblich durch die
Messe Palestrinas, dann der leidenschaftliche Eifrer Paul IV.,
bis mit Pius IV. eine ehrfurchtgebietende Reihe frommer und
tapferer Päpste einsetzt. Schon Pius IV. selbst (18530 65) machte
seinem Namen keine Unehre; sein Nachfolger aber, Pius V.
(1566—-72), ein Dominikaner, war geradezu ein Asket: ihn
allein von den Päpsten der letzten Jahrhunderte hat die Kirche
der Heiligsprechung gewürdigt. Dann folgten Gregor XIII.
(1572-85) und Sixtus V. (156885—90), Greise von reichster
Lebenserfahrung und Kirchenfürsten von starker Hand, und an
sie schloß sich in kurzem Zeitraum noch eine Anzahl von
Päpsten, die das große Erbe der Vorgänger mindestens zu
wahren wußten.

So waren alle persönlichen Vorbedingungen eines refor—
matorischen Papsttums gegeben, und nirgends winkte diesem ein
so reiches und zudem durch die Sorgen der Jesuiten bereits
so klug gelockertes Arbeitsfeld, als in Deutschland.

Nun waren freilich die Beziehungen der Kurie zu
Deutschland seit dem zweiten und dritten Jahrzehnt des
16. Jahrhunderts arg vernachlässigt worden, trotz leiser
Anfänge zur Entwicklung ständiger Nuntiaturen seit etwa
dem Jahre 1504. Die Verbindung der deutschen Königsgewalt
mit jenem spanischen Universalismus Karls V., der notwendig

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