Protestantismus und Gegenreformation im Reiche. 653
eine Wendung gegen die Territorialbestrebungen des Papsttums auf
talienischem Boden bedeutete, hatte es niemals zu einer innigen Ver⸗
ständigung der obersten weltlichen und kirchlichen Instanzen kommen
lassen, trotz alles Katholizismus des Kaisers; gerade in diesem
Verhältnis hatte eine der wesentlichen Vorbedingungen für den
Erfolg des Protestantismus beruht. Nun war diese Kon—
stellation freilich mit der Abdankung Karls V. gefallen; allein
der auf dem Tridentinum so rege bekundete Reformeifer
Ferdinands wie die schillernde religiöse Haltung Maximilians II.
ließen es auch jetzt noch nicht zu engeren Beziehungen der
Päpste und Kaiser und damit zur wichtigsten Voraussetzung
stärkeren Eingreifens der Kurie in Deutschland kommen.

Gleichwohl war doch mit dem Abschluß des Trienter Konzils
das Eis gebrochen. Die Jesuiten, Sendlinge ihrer Gesellschaft
und der Kurie zugleich, breiteten sich immer stärker aus, und
Einzelbeziehungen zu den deutschen katholischen Fürsten sowie
ein näheres Verhältnis auch zum Kaiser wurden angebahnt.
Es bedurfte nur noch eines Papstes, der besonderes Verständnis
für die deutschen Dinge besaß und sich ganz mit dem Reichs—
oberhaupt zu stellen wußte, und eine wohlbegründete Einfluß⸗
nahme der Kurie auf die deutschen Katholiken, auf das Reich
überhaupt, eine spezifische katholische Politik der alten geist—
lichen Universalgewalt des Mittelalters, konnte beginnen. Dieser
Papst erschien mit Gregor XIII.

Gregor begann alsbald, schon im Jahre 1573, sich um
Deutschland zu sorgen. Er festigte den Bestand des jesuitischen
Collegium germanicum, das nach hoffnungsvollen Anfängen
zurückgeblieben war; es hat von nun ab der Regel nach hundert
deutsche Zöglinge aufgewiesen. Er setzte eine besondere Kardinals—
kommission zur Förderung der deutschen Gegenreformation ein,
die Oongregatio germanica. Er ergänzte die bisher einzige
Nuntiatur in Wien durch ein Kommissariat in Salzburg
und bald auch eine niederdeutsche Nuntiatur in Köln.

Die Leiter dieser Nuntiaturen vor allem wurden nun un—
mittelbare Werkzeuge der päpstlichen Politik. Sie hatten die
Aufgabe, für Annahme des Tridentinums im Reiche zu sorgen