Protestantismus und Gegenreformation im Reiche. 655
langsam auf: was sollte seine Wirkung sein auf die deutschen
Geschicke?
III.

Die ersten größeren Regungen der Gegenreformation führen
bis auf die Jahre 1565 und 1566 zurück. Während damals
in einzelnen katholischen Kreisen, namentlich am Niederrhein,
noch von einem Ausgleich zwischen Protestantismus und Katho—
lizismus etwa im Sinne der Vorschläge des Theologen Cassander
geträumt ward, bewog der päpstliche Nuntius Commendone
auf dem Augsburger Reichstage die katholischen Stände zur
grundsätzlichen Annahme wenigstens der dogmatischen und
kultischen Beschlüsse des Tridentinums: es war die endgiltige
Trennung vom Protestantismus.

Dementsprechend legte der neue Erzbischof Jakob von Trier
im Jahre 1569 das Tridentiner Glaubensbekenntnis ab; diese
feste Stellungnahme veranlaßte dann den schwankenden Kölner
Erzbischof Friedrich von Wied, abzudanken; und ihm folgte in
Salentin von Isenburg ein fester Katholik, der den Eid ebenfalls
leistete. Und ziemlich zur selben Zeit konnten in einigen süd—
deutschen Bistümern, in Konstanz, Augsburg, Salzburg, Pro⸗
vinzialsynoden einberufen werden, die nicht bloß die Dogmen,
sondern auch schon die Reformdekrete des Trienter Konzils an—
nahmen und zur Richtschnur örtlicher Verbesserungen machten.

Ging man so, wenn auch langsam, in den geistlichen
Territorien besseren Zeiten entgegen, so trat doch alles, was
hier geschah, zurück gegen den Eifer, der in dem führenden
Laienterritorium, in Bayern entfaltet ward. Hier, wie sonst,
hatte sich das Evangelium namentlich in den höheren gesellschaft—
lichen Schichten verbreitet, unter dem Adel und unter dem
Patriziat der Städte, d. h. unter den Schichten, aus denen
sich die politischen Stände des Landes zusammensetzten. Und
da diese politischen Stände gegenüber der aufstrebenden Landes—
herrschaft die aristokratische Leitung der Landesangelegenheiten
beanspruchten und damit in Gegensatz zum Landesfürsten traten,
so hatte sich kirchliche und politische Opposition bei ihnen ver—