Protestantismus und Gegenreformation im rReiche. 657
hinaus den Mittelschulunterricht und die Universität Ingolstadt
eroberten, ist schon erzählt worden!. Damit bedurfte es
nur noch weniger weiterer Maßregeln, der Errichtung einer
Zensur, des Verbots, auswärtige Universitäten zu besuchen, der
Forderung gegenüber allen Beamten das tridentinische Bekennt—
nis abzulegen: und das Land Bayern mußte einem ausschließ—
lichen Katholizismus zufallen.

In der That war der Erfolg so groß, daß Anfang der
siebziger Jahre Bayern allen Katholiken als Hort ihres Glaubens
erschien; von ihm erhoffte man sogar eine politische Einigung
aller katholischen Stände, und wirklich wußte Herzog Albrecht
den alten, katholisch charakterisierten Landsberger Bund um diese
Zeit zu verstärken. Und als im Jahre 1573 in Hildesheim,
dem einzigen noch katholischen Bistum östlich der Weser, der
Bischofssitz verwaist war, da wählte das Domkapitel, unbe—
kümmert um die Werbungen von Braunschweig und Holstein,
zum neuen Bischof den Prinzen Ernst, den nachgeborenen Sohn
Herzog Albrechts, obwohl er bereits das Bistum Freising besaß.

Und schon hielt man in einigen Gegenden Deutschlands,
unter dem frohen Eindruck aller dieser Vorgänge, die Zeit für
gekommen, um fast ganz evangelisch gewordene Länder dem
Katholizismus zurückzuerobern. In dem Gebiet der alten
Reichsabtei Fulda, das, vom hessischen Lande fast ganz um—
schlossen, dem Evangelium zugefallen war, führte der jugendliche
Abt Balthasar von Dermbach seit 1573 die alte Lehre mit
Hilfe der Jesuiten siegreich wieder ein; und ein Jahr darauf
begann man von Mainz aus die Gegenreformation im Eichs—
feld. Es waren Erfolge, die deshalb doppelt von Bedeutung
waren, weil sie nur mit kaiserlicher Unterstützung möglich
geworden waren: die Proteste der evangelischen Landstände und
der evangelischen Nachbarn von Fulda hatte man in Wien einfach
unberücksichtigt gelassen.

Und wie hätten sie auch Gehör finden sollen? Wie auch
der Kaiser persönlich denken mochte: die Institutionen des Reiches

S. oben S. 649f.