358 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel.
waren auf der Grundlage der alten, mittelalterlichen Kirche
erwachsen; sie sprachen auf allen Gebieten grundsätzlich zu gunsten
des Katholizismus; und triumphiert hatten die Evangelischen
über sie im Siegeslauf ihrer Ausbreitung bis in die sechziger
und siebziger Jahre hinein allein durch ihre Überschreitung.
Jetzt aber, wo vermöge der inneren Spaltungen die Triebkraft
des Protestantismus immer mehr nachließ, mußte ihr eigent—
licher Charakter wieder stärker zu Tage treten.

Nirgends zeigte sich das besser, als gelegentlich der Ver—
handlungen der Jahre 1574 und 1575, in denen bei dem bald
zu erwartenden Abscheiden Maximilians II. die Wahl eines
neuen Königs betrieben ward. Die Protestanten waren kaum
in der Lage, einen Kandidaten ihres Bekenntnisses aufzustellen;
mit Ausnahme der Pfalz empfanden sie eine solche Maßnahme
jetzt selbst schon als gegen den Geist der Verfassung. Ja, als
es feststand, daß Rudolf II., der Sohn Maximilians, auch sein
Nachfolger sein werde, wußten sie sich bei der Abfassung der
Wahlkapitulation nicht einmal vor einem Eingreifen des Kaisers,
wie sie es gelegentlich der Fuldaer Gegenreformation erlebt
hatten, zu sichern. War es da ein Wunder, wenn sie im Jahre
1576 auf dem Augsburger Reichstage trotz aller Bemühungen
der pfälzischen Partei wieder einmal nicht die geringste Anderung
des geistlichen Vorbehalts durchsetzten? Das einzige Ergebnis
war die nunmehr völlig zu Tage tretende Spaltung zwischen
dem pfälzisch-calvinischen und dem sächsisch-lutherischen Anhang!.

Inzwischen aber konnte es scheinen, als wenn das allmäh—
liche Ermatten der protestantischen Vertretung auf dem centralen
politischen Kampfplatze innerhalb des Reichs, auf dem Reichs—
tage, noch einmal durch eine, freilich der Hauptsache nach calvinische
Bewegung an der Peripherie werde wett gemacht werden können.

Nirgends war in mittel- und niederdeutschen Gebieten der
Katholizismus sicherer erhalten geblieben, als am Rhein. Hier
bildeten die Gebiete der drei geistlichen Kurfürsten von Mainz,

S. oben S. 621 f.