Orotestantismus und Gegenreformation im Reiche. 659
Trier und Köln einen achtenswerten Mittelpunkt des Wider—
stands, der noch verstärkt ward durch die im Ganzen beinahe allein
katholisch gebliebenen Reichsstädte Köln und Achen und die
Länder des katholischen Herzogs von Jülich-Cleve und des
Bischofs von Lüttich. Dazu war dies System im Osten von
einer Reihe gleichsam planetarischer geistlicher Fürstentümer um—
geben, den Bistümern Osnabrück, Paderborn, Münster, Worms
und Speier; und im Westen war es durch die spanisch-katho—
lische Macht der Niederlande gedeckt.

Trotzdem war es auch hier zu evangelischen Regungen ge—
kommen. Aber der Reformationsversuch Hermanns von Wied
in Köln war kläglich gescheitertt, und nicht minder waren
evangelische Bewegungen in Trier und Achen unterdrückt worden.
In Trier hatte Caspar Olevianus 1559 gepredigt und zahl—⸗
reiche Anhänger gefunden; indes der Erzbischof nahm alsbald
seine Hauptstadt ein und säuberte sie, nicht ohne spanische
Unterstützung von den Niederlanden her, von Ketzern. In
Achen hatte sich um dieselbe Zeit aus Einheimischen wie nieder—
ländischen Flüchtlingen eine protestantische Gemeinde gebildet;
sie wurde auf die Hilferufe der katholischen Einwohner von
den Spaniern und einer kaiserlichen Untersuchungskommission
chleunigst beseitigt.

So herrschte um 1560 wieder Ruhe an Mittel- und Nieder—
chein; das katholische System bestand scheinbar unangreiflich fort.
Allein nun kamen die Jahre der Schreckensherrschaft Albas in den
Niederlanden; die benachbarten deutschen Städte wie die Grenz-—
gegenden überhaupt füllten sich mit Tausenden von Emigranten;
ind wiederum erhob sich unter ihrem Einfluß der niemals ganz
ausgerottete Protestantismus. Es kam zu neuen Gemeinde—
bildungen; größere Gruppen wallonisch-calvinischer, niederländisch—
ralvinischer, teilweis auch lutherischer Observanz bildeten sich
bor allem in Wesel, aber auch in Köln und Achen. Diese
überall emporsprossenden Anfänge lehnten sich bald im Norden
in die protestantische Grafschaft Friesland an, wo in Emden

S. oben S. 421.