364 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel.
fluchtsort, nein, auch eine Stätte stetigen Ausfalls; es hätte
endlich bedeutet, die süddeutschen Fürstentümer, in denen viel—
fach halbprotestantische Dom-⸗ und Stiftskapitel vorhanden
waren, auf den Weg der Protestantisierung fortreißen. Im
Reiche aber wäre die Protestantisierung des Kurfürstenkollegs
und damit die Aussicht auf ein protestantisches Kaisertum und
eine protestantische Reichsverfassung die Folge gewesen.

Gebhard wollte mit seinem Plane nicht hervortreten, ehe
nicht der Reichsstag zu Augsburg geschlossen wäre. Allein eben
dies Warten hatte zur Folge, daß man bald allerseits in
Gebhards Geheimnis eindrang und mißtrauisch zu werden
begann. Der Kaiser warnte, die Kurie dachte schon an die
Absetzung des Erzbischofs und hielt Ernst von Baiern von
neuem bereit, und Kölner Domkapitel und Kölner Stadtrat
traten dem Erzbischof drohend entgegen.

Gebhard blieb schließlich nichts mehr übrig, als zu handeln,
obwohl er von Bundesgenossen erst den Grafen von Nassau
und den unzuverlässigen Pfälzer Prinzen Johann Casimir
gewonnen hatte. Ende Dezember 1582 bekannte er sich aus—
gesprochen zum evangelischen Glauben; im Januar 1583 ver⸗
kündete er für das Stift die Religionsfreiheit und vermählte
sich bald darauf öffentlich mit Agnes von Mansfeld.

Aber schon fühlte er sich des rheinischen Teils seines
Landes nicht mehr sicher. Er verließ Bonn und ging nach
Westfalen. Hier fand er in den stiftischen Landen volle
Sympathie; ein Landtag vom 12. März 1883 erklärte sich
für ihn; es folgte eine reformatorische Bewegung, die sich
teilweis in argen Übertreibungen erging.

Indes das waren, bei den geringeren Hilfsmitteln der
westfälischen Stiftslande, keine entscheidenden Ereignisse. Den
Ausschlag mußten die Lande am Rhein geben. Und hier
hatten die Dinge eine ungünstige Wendung genommen. Das
Domkapitel hatte gegen den Erzbischof mobil gemacht, es
hatte den Herzog von Parma um Hilfe gebeten und die von ihm
einberufenen Stände zu der Erklärung vermocht, daß die Hand—