Protestantismus und Gegenreformation im Reiche. 665
lungen des Erzbischofs gegen die Grundgesetze des Landes
verstießen.

Gleichwohl war die Lage Gebhards noch keineswegs ver—
zweifelt, falls seine neuen Glaubensgenossen sich nur einiger—
maßen seiner annahmen. Aber auf diesem Boden machte er
nun die trübsten Erfahrungen. Schon im Dezember 1582
hatten die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg gemeint,
die Kölner Sache sei übereilt; man könne in ihr nicht mehr
thun, als vermitteln. Dabei blieben sie jetzt, wenn sie sich
auch, übrigens zusammen mit Kurmainz und Kurpfalz, über
die Anwesenheit spanischer Truppen auf dem Reichsboden
—
Pfalz half jetzt nicht, nachdem er wieder einmal vergebens
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Versammlung der Stände augsburgischer Konfession zu wecken.

Schließlich griff nur der abenteuernde Johann Casimir zu
den Waffen. Aber ehe er auftrat, hatten die Katholiken
gehandelt. Der Papst hatte Gebhard am 22. März 1583
abgesetzt; darauf war Ernst von Bayern am 23. Mai vom
Kapitel zum Erzbischof gewählt worden. Und alsbald er—
schienen bayrische Truppen des neuen Kurfürsten, um die
wenigen Plätze am Rhein, die noch in Gebhards Händen
waren, vor allem Bonn, zu belagern. Nun trat ihnen Ende
August allerdings Johann Casimir entgegen. Allein ein minder
mutiger Feldherr, ein schlechter Zahler des Truppensolds, zu⸗
dem von kaiserlichen Edikten verfolgt, kam er zu keiner That — bis
ihn, sehr nach seinem Wunsche, der Tod seines Bruders, des
Pfälzer Kurfürsten, am 12. Oktober zur vormundschaftlichen
Verwaltung nach Heidelberg abrief. Nun stand den bayrischen
Truppen Ernsts nichts mehr im Wege; durch spanischen Zuzug
verstärkt nahmen sie die Veste Godesberg mit stürmender Hand
und setzten sich im Anfang des Jahres 1584 durch Verrat in
die Gewalt von Bonn: Gebhards Sache war verloren. Von
seinem Lande verdrängt schlug sich der alte Erzbischof schließlich
in das Gebiet der Generalstaaten durch; und diese hielten nun

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