666 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel.
ihrerseits den Kampf gegen Kurköln in den Formen eines
verderblichen Grenzkrieges noch eine Zeitlang aufrecht.

In Köln aber umgab die Kurie jetzt den neuen Herrn mit
allen Garantien dauernden Bestandes. Wie ihrer fortwährenden
Mahnung im Verlauf des Kampfes die spanische Hilfe von den
Niederlanden her zu danken gewesen war, so begründete sie
jetzt in Köln eine ständige Nuntiatur und säuberte das Dom—
kapitel von Protestanten. Dem neuen Kurfürsten fehlte damit
nur noch die Anerkennung der evangelischen Mitglieder des Kur—
fürstenkollegs; und auch diese ließ ihm der lutherische Konser—⸗
vatismus im August 1584 zu teil werden.

Konnte man sich wundern, wenn unter diesen Umständen
der Sieg des Katholizismus in Köln nicht bloß als eine
Wiederherstellung des alten Zustandes, sondern als der wesentlichste
katholische Fortschritt über die alte Lage der Konfessionen hinaus
empfunden ward? Wo noch geistliche Fürsten zwischen Protestan—
tismus und Katholizismus geschwankt hatten — die Kurie hatte zu
den Schwankenden sogar den Mainzer Erzbischof gerechnet —, da
entschieden diese sich jetzt zu gunsten der alten Kirche; und nament—
lich in Westfalen gelang nunmehr überall die Einführung un—
zweifelhaft katholischer Bischöfe. Zugleich aber erhob sich in den—
jenigen Fürstentümern, in denen katholisch gesinnte Oberhirten
über einer teilweis protestantischen oder wenigstens dem Pro—
testantismus zuneigenden Bevölkerung saßen, jetzt mehr als je
drohend die Gegenreform. Vor allem galt das für Würzburg,
wo der energische Bischof Julius Echter von Mespelbrunn, der
Schöpfer des berühmten Hospitals, dessen weite Räume und
schattige Gärten noch heute sein Andenken bewahren, durch
Visitationen und persönliche Einwirkung, durch Schulgrün—
dungen und Ausbildung eines rein gesinnten Klerus fast
alle die zahlreich vorhandenen evangelischen Sympathien erstickte.

So entnahm der Katholizismus dem großen politischen
Erfolge am Rhein die Aufforderung, auf der ganzen Linie
des Kampfes vorzugehen, hartnäckig und selbstbewußt, in
wiederholten, von der Kurie mit wachsendem Eifer begünstigten
Versuchen einer Einigung aller seiner Fürsten, keineswegs bloß noch