Protestantismus und Gegenreformation im Reiche. 667
in flüchtigen Stößen. Unter diesen Umständen war klar, daß
der Protestantismus, in die Defensive gedrängt, jetzt nur noch
in straffer Einheit auf die Dauer würde widerstehen können;
andernfalls mußte die gut geleitete Kraft der alten Kirche das
lose Gefüge seiner Verbreitungsgebiete langsam zerbröckeln.

[V

In der That traten Ereignisse ein, die die Herstellung
eines gemeinsamen Bundes aller Stände des neuen Bekennt—
nisses fördern mußten.

Zunächst starb am 12. Oktober 1583 der lutherische Kur—
fürst Ludwig von der Pfalz; da sein Sohn und Nachfolger
Friedrich erst zwölf Jahre alt war, so übernahm dessen Oheim,
der uns genügend bekannte Johann Casimir, das vormund⸗
schaftliche Regiment. Er führte es alsbald ganz nach eigenem
Kopfe, brachte mit Hilfe seines fanatischen Kanzlers Ehem den
Calvinismus von neuem zu Ehren und entwickelte eine ganz
andere protestantische Initiative, als sein etwas ruhseliger Vor—
gänger. Damit ging bald ein erneuter lebhafter Aufschwung
des Protestantismus im westlichen Ausland Hand in Hand.
Am 12. August 1585 trat Königin Elisabeth von England
in einem mit den Generalstaaten geschlossenen Vertrage gegen
Spanien in die Schranken! und nahm die Unterstützung der
französischen Protestanten und Heinrichs von Navarra auf.
Demgegenüber verband sich Philipp II. von Spanien in
engem Kriegesvertrage mit der französischen Ligue und zwang
König Heinrich III. von Frankreich zur erneuten Bedrängung
der Hugenotten: eine Erweiterung und Verschärfung der Kon⸗
fessionsgegensätze ging durch das ganze westliche Europa.

Die deutschen Protestanten begriffen wohl, daß sie hier
nicht unthätig sein dürften; sie mußten zu gunsten der Huge—
notten eingreifen. Allein unter der Einwirkung des Kurfürsten
August von Sachsen wurden ihre Absichten fast zur Farce; man
1 S. oben S. 5975.