668 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel.
meinte durch nichts als eine stattliche Warnungsgesandtschaft
den französischen König von der Bekämpfung der Hugenotten
abhalten zu können.

Darüber hinweg aber kam es zu anderweitigen, einer that⸗
kräftigen Politik günstigen Ereignissen. Am 21. Februar 1586
starb August von Sachsen, und die Nachfolge seines Sohnes
Christian J. bedeutete eine grundsätzliche Anderung der bis—
herigen sächsischen Haltung. Christians Räte Paull und Crell,
die bei der Unthätigkeit des Fürsten das Heft in Händen hatten,
trieben im Innern keine ausschließlich lutherische Politik mehr
und begannen nach außen hin langsam mit der Kurpfalz
Fühlung zu nehmen, während diese ihrerseits schon im Jahre
1587 unmittelbar in die französischen Dinge eingriff. Hier aber,
im Westen Europas, kam es bald zu unerhörten Wendungen.
König Philipp sandte im Jahre 1588 seine Armada gegen
England: sie ging zu Grunde. Es war ein militärisch fast
unverwindlicher Schlag; und er bedeutetete zugleich die Zerrüt—
tung der spanischen Finanzen. Bald darauf erhob sich in Frank—
reich unheilbarer Zwist zwischen der katholisch-spanischen Partei
der Ligue und Heinrich III.; Heinrich ließ Ende 1888 das Haupt
der Ligue, Heinrich von Guise, ermorden, und ward selbst am
2. August 1589 getötet. Damit war das Haus Valois er—
loschen, und der Protestant Heinrich von Navarra bestieg den
verwaisten Thron, anerkannt von etwa einem Sechstel des
Landes, doch darunter von allen Protestanten, dem Staats-
rat, dem Adel, den Truppen. Philipp von Spanien dagegen
erkannte den neuen König natürlich nicht an, und so stand
Spanien jetzt mit allen Protestanten des Westens, mit Eng—
land, Frankreich, den Niederlanden im Kriege. Heinrich IV.
von Frankreich aber suchte bei den deutschen Protestanten um
Hilfe nach. Konnten diese sich ihm versagen?

Selbst Sachsen entzog sich dem Drang der Lage nicht mehr.
Frankreich wurde mit Geld unterstützt; die Anwerbung eines
Hilfsheeres unter dem Befehl eines deutschen Fürsten wurde in
Aussicht genommen. Indem aber so die deutschen Protestanten,
vor allem Sachsen und die Pfalz, selbstthätig in die westlichen