Protestantismus und Gegenreformation im Reiche. 669
Geschicke eingriffen, mußte ihnen alsbald die Notwendigkeit
eigener Einigung einleuchten.

Anfang März 1590 trafen Johann Casimir und Christian
von Sachsen in Plauen zusammen und verständigten sich da—
hin, eine protestantische Union zu betreiben; neben ihnen sollten
Brandenburg, Braunschweig, Mecklenburg und Hessen als die
wichtigsten protestantischen Territorien zur Ausarbeitung eines
Entwurfes zusammentreten. Die Sache ward im Laufe eines
Jahres so weit gefördert, daß man am 2. Februar 1591 zu
einer protestantischen Tagsatzung in Torgau zusammentreten
konnte. Hier wurden mit Frankreich einzelne militärische Ab—
machungen getroffen, vor allem aber gelang es, die Grund—
linien einer protestantischen Einung zu ziehen. Der neue Bund
sollte ein sicherer Verteidigungsbund sein zum Schutze aller
Länder, welche die Vertragsschließenden besaßen oder mit Recht
zu beanspruchen glaubten; er sollte eine feste Kriegsverfassung
erhalten, und nur die Fragen nach der Stärke des Heeres und
der Leitung des Bundes und seiner Streitkräfte blieben noch
offen.

So hatte alles den besten Fortgang, als mehrere Todes—
fälle jede bisher gesicherte Errungenschaft aufhoben. Am 5. Ok—⸗
tober 1591 starb Christian von Sachsen, am 16. Januar 1592
Pfalzgraf Johann Casimir, am 4. September 1592 Landgraf
Wilhelm von Hessen. Damit nicht genug: die Pfalz erwies
sich nach Johann Casimirs Tode als finanziell erschöpft und
darum auf längere Zeit nach außen hin handlungsunfähig, und
in Kursachsen erhob sich eine wüste lutherische Reaktion, der
der unglückliche Kanzler Christians, Crell, nach zehnjähriger
schwerer Haft sogar mit dem Leben zum Opfer fiel.

Unter diesen Umständen war von einem Bunde, ja auch
nur von einem einheitlichen Handeln der Protestanten nicht
mehr die Rede.

So mußte die Entwicklung der achtziger Jahre, die all—
mähliche Stärkung des katholischen Einflusses, weiteren Fort—
gang nehmen. Das ist die Signatur des ausgehenden sech—
zehnten Jahrhunderts.