670 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Wo aber fand jetzt der Katholizismus ein besseres Kampf⸗
gebiet, als den ganzen Rhein hinab, in der Nähe der Heere
Spaniens, dieses Hortes der katholischen Interessen im Westen?
Anm Oberrhein und in den Vogesenländern handelte es
sich vor allem um das Bistum Straßburg in seinen Beziehungen
zu Lothringen. Das unklare Verhältnis des Herzogtums Loth—
ringen zum Reiche war im Jahre 1542 dahin geregelt worden,
daß es von da ab nur noch als ein „souveränes, freies und
detachiertes Fürstentum“ des Reiches galt; natürlich waren seitdem,
zumal seit der Einnahme von Metz, Toul und Verdun durch
Frankreich, die alten Beziehungen seines Herrscherhauses zum
französischen Westen noch enger geworden. Vor allem erschien
Herzog Karl III. jetzt ganz in die französischen Glaubenskämpfe
verwickelt und hatte sich da immer kräftiger im Sinne der
Ligue beteiligt. Zugleich aber hatte er zur allseitigen Förde—
rung seiner katholischen Interessen versucht, im Reiche An—
sehen zu gewinnen. Er war in verwandtschaftliche Beziehungen
zum Hause Bayern getreten, und er hatte im Jahre 1578 seinem
jüngeren Sohne Karl das Bistum Metz verschafft. Aber damit
nicht genug: er wollte für diesen Sohn auch das Bistum Straß—
burg erwerben.

Nun war aber die Stadt Straßburg fast ganz protestantisch,
und das Bistum, dem in der Person Johanns von Mander—
scheid ein unbedeutender Bischof vorstand, befand sich unter
dem Einflusse eines Domkapitels, das ähnlich wie das Kölner
vor der Wahl Gebhards zusammengesetzt war, und von dem
man bei eintretender Vakanz vor dem Sturze Gebhards fast mit
Sicherheit eine Wahl in protestantischem Sinne hätte erwarten
können. Nun war freilich Köln inzwischen katholisch geworden,
und als Johann von Manderscheid endlich, am 2. Mai 15892,
gestorben war, konnte man auf den Ausgang der Wahl wohl
gespannt sein.

Das schließliche Ergebnis war eine Doppelwahl. Die
protestantischen Domherren erhoben einen brandenburgischen
Prinzen, Johann Georg, den Sohn des Magdeburger Ad—
ministrators, die katholischen wählten Karl von Metz. Der Streit