Protestantismus und Gegenreformation im Reiche. 671
spitzte sich zu einer Kraftprobe zwischen Protestantismus und
Katholizismus, zwischen deutschem und französischem Einfluß
in den Landen links des Oberrheins zu.

Er ward, bei dem Zusammensinken des allgemeinen
protestantischen Machtgefühls nach dem Scheitern der Union,
schließlich dahin entschieden, daß Karl von Lothringen siegte.
Im Jahre 1588 erhielt der Prinz das kaiserliche Lehnsindult,
im Jahre 1599 ward er vom Kaiser endgiltig mit dem Bistum
belehnt, indem ihm zugleich der Erzherzog Leopold von ster⸗
reich als Koadjutor mit der Hoffnung der Nachfolge zur
Seite gesetzt ward: die katholischen Häuser Habsburg und Loth—
ringen reichten sich die Hand, jedes weitere Eindringen der
Protestanten ins Elsaß schien verhindert.

Nicht anders erging es dem Protestantismus am Nieder—
rhein. Hier war seit langem, wie wir wissen!, Achen die
eigentliche Wetterwarte der evangelischen Bewegung. Nun war
die alte Reichsstadt aus den Verhandlungen des Augsburger
Reichssstags vom Jahre 18582 in ziemlich unversehrtem Protestan⸗
tismus hervorgegangen; es war zwar eine neue kaiserliche
Kommission zur Prüfung der Lage eingesetzt worden, aber diese
wie der Kaiser selbst verzögerten die Entscheidung, solange
energischer Widerspruch von protestantischer Seite zu befürchten
war. Nach der Vereitelung des Unionsgedankens indes, am
27. August 1598, erfolgte ein kaiserliches Urteil, wonach jede
kirchliche Neuerung in Achen aufzugeben sei. Und als die
Stadt diesem Spruche zu trotzen anhub, da ward ihr mit der
Acht gedroht, und die spanischen Gewalthaber in den Nieder—
landen wie der Herzog von Jülich gingen gegen sie vor — bis
sie sich schließlich im Jahre 1598 der Alleinherrschaft des
katholischen Bekenntnisses fügte.

Es war ein Verlust des Protestantismus, der schon seit
dem Jahre 1503 drohte. An sich nicht übermäßig bedeutend,
bot er immerhin ein lehrreiches Beispiel der Schicksale, die der
noch immer fortwuchernde Protestantismus auch sonst am
Niederrhein zu erwarten hatte.
S. oben S. 660 f.