672 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Der kölnische Krieg, in dem Kurfürst Gebhard aus
seinem Bistum vertrieben worden war, war hier mit Gebhards
Entweichen nicht zugleich zu Ende gelangt, vielmehr führten
ihn die Generalstaaten, auf deren Gebiet Gebhard übergetreten
war, von ihrer Grenze, namentlich von Gelderland her, in
tausend Einzelkämpfen weiter. Hiergegen hatte der neue Kur—
fürst Ernst die Hilfe des Reiches nachgesucht, und als sie ihm
auf Betreiben der Protestanten verweigert worden war, hatte
er sich, so manchem Vorgang der letzten Jahrzehnte folgend,
den Spaniern in den Niederlanden in die Arme geworfen.

Die Folgen waren diesmal unerhört. Im Jahre 1586
erschien der Herzog von Parma mit einem mächtigen Heere im
Lande und stürmte unter gräßlichen Ausschreitungen entmenschter
Söldner die Festung Neuß. Im Jahre 18388 eroberten die
Spanier Bonn, 1590 nahmen sie Rheinsberg: in allen drei
festen Plätzen, wie sie den aus den Bergen austretenden Rhein
fast bis Cleve beherrschten, lagen jetzt spanische Garnisonen;
das Land ward eine Beute der spanischen Blutsauger; sein
Handel ging zu Grunde. In hohem Grade gefährlich aber
ward dieser nunmehr zäh festgehaltene Einfluß der Spanier am
Niederrhein erst durch seine Berührung mit einem Problem,
das damals große Teile der deutschen Fürstenwelt mächtig zu
erregen begann, mit der Frage nach der Erbfolge in das größte
katholische Laienfürstentum am Niederrhein, in die Länder Jülich,
Cleve, Berg und Mark.

Diese Territorien, die von Andernach und Remagen ab bis
Cleve den Rhein begleiteten und unter anderem das Kölner
Erzbistum fast umschlangen, waren seit 1511 in einer Hand
vereint, und seit 1539 herrschte über sie, nun alt und schwach—
sinnig geworden, Herzog Wilhelm der Reiche. Herzog Wilhelm
hatte nur einen Sohn, den unheilbar wahnsinnigen Johann
Wilhelm; dieser war nach dem bald zu erwartenden Tode des
Vaters alleiniger Erbe, falls die Länder als nur im Mannes—
stamme vererbliches Reichslehen galten. Nun stand das aber
nicht vollkommen fest; die kaiserlichen Privilegien aus früherer
Zeit widersprachen sich in diesem Punkte. Ließ man aber die