Protestantismus und Gegenreformation im Reiche. 673
Geltung auch des Weiberlehens zu, so kamen für die weitere
Nachfolge nach dem Tode des voraussichtlich kinderlos bleibenden
Johann Wilhelm vier Parteien in Betracht. Denn Herzog
Wilhelm hatte außer seinem unglücklichen Sohne vier Töchter,
Marie Eleonore, Anna, Magdalena und Sibylla. Von ihnen
hatte Marie Eleonore den blödsinnigen Herzog Albrecht Friedrich
von Preußen geheiratet, und eine Tochter aus dieser Ehe war
vermählt mit dem brandenburgischen Kurprinzen Johann Sigmund.
Es waren ferner vermählt Anna mit dem Pfalzgrafen Ludwig
Philipp von Neuburg, Magdalena mit Johann von Zweibrücken
und Sibylla, lange Zeit ledig, schließlich mit dem Mark—⸗
grafen Karl von Burgau. Zum Glück für unser leichteres Ver—
ständnis aber waren nun wenigstens alle diese Ehen mit Ausnahme
der weniger wichtigen und viel später geschlossenen Sibyllens pro—
testantisch, und stellte es sich weiterhin seit Anfang 1690 heraus,
daß die aus ihnen her entwickelten, an sich noch sehr ver—⸗
schiedenartiger Abstufung fähigen Anwartschaften vorläufig we—
nigstens im wesentlichen einheitlich vertreten werden würden.
Es standen also zunächst für eine auf längere Zeit hin erstreckte
Nachfolge nur zwei Parteien, die des Mannslehens und die des
Weiberlehens, nebeneinander.

Allein vorläufig war die praktisch wichtigste Frage gar
nicht die der Nachfolge, da alles darüber einig schien, daß diese
nach des alten Herzogs Tode zunächst Johann Wilhelm zustehe,
sondern vielmehr die nach der Regentschaft, die sich unter der
neuen Regierung Johann Wilhelms alsbald nötig machen werde.
Und hier behaupteten nun die protestantischen Anwärter des
Weiberlehens als zukünftige Erben das nächste Anrecht zu
haben. Hierfür aber traten auch noch andere Bewerber auf.
Der Kaiser war bereit, die Verwaltung zu übernehmen. Und
auch die jülichsche Landesverwaltung erklärte sich ihrerseits als
zur Regentschaft berechtigt.

Welche von diesen drei Parteien, deren Wettbewerb noch
bei Lebzeiten des alten Herzogs Wilhelm begann, nun siegen
würde? Es war ziemlich leicht vorauszusehen, was geschehen
würde. Da die jülichschen Räte, einmal im Besitze der Macht,