870 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Anfang der Regierung Kaiser Ferdinands. Mühsam führte
der Kaiser den Krieg, vom Reiche, das sich um Ungarn nicht
kümmerte, höchst ungenügend unterstützt, bis seit etwa 1562
innere Zersetzungsprozesse des Osmanenreiches diesem Zustand
ein Ende machten. Dann ging sein Nachfolger, Max II., im
Jahre 1565 gegen Siebenbürgen vor; sein Feldhauptmann
Lazarus Schwendi besetzte große Teile der Herrschaft Zapolyas
am rechten Ufer der Theiß.

Diese Fortschritte beschworen alsbald einen neuen Türken—
krieg herauf. Im Jahre 1566 erschien Sultan Soliman in
Belgrad, fünfundsiebzigjährig, aber noch kriegslustig, mit ihm
ein furchtbares Heer. Allein auch diesmal brach sich die türkische
Macht an eignen Hindernissen. Kurz vor der Erstürmung der
Festung Sziget, die von Zrinyi todesmutig verteidigt ward,
starb Soliman; sein Nachfolger Selim II. scheute den Krieg;
die Janitscharen drohten zu meutern, und das Heer zog sich
zurück. Freilich: so kraftvoll war die Türkenmacht an der Donau
noch immer, daß in den Friedensverhandlungen ein kaiserlicher
Jahrestribut von 30000 Dukaten von neuem ausbedungen werden
konnte, und auch die Grenzen wurden wiederum zum Vorteil
der Türken berichtigt.

Seitdem aber, seit dem Jahre 1568, blieb trotz unablässiger
kleiner Grenzfehden und trotz eines neuen Herrscherwechsels —
auf Selim II. folgte 13574 Murad III. — der Friede bis tief
in die Zeiten Rudolfs II. hinein im wesentlichen gesichert. Und
während dieser Jahre gelang es sterreich, im Nordosten einige
Fortschritte zu machen, die für die spätere Zukunft von großer
Bedeutung gewesen sind. Im Jahre 1572 war in dem polnisch⸗
lithauischen Reiche der Mannesstamm der Jagellonen erloschen;
von diesem Zeitpunkt an galt das verhängnisvolle polnische
Wahlrecht. Alsbald bewarb sich vor allem das Haus Habsburg
um die Krone. Dem trat nun freilich die Türkei mit Erfolg
entgegen; weder beim Thronwechsel des Jahres 1578 noch bei
dem des Jahres 1587 wurde ein Erzherzog gewählt. Wohl
aber hatte das Haus Habsburg die Genuͤgthuung, den 1587
erwählten schwedischen Kronprinzen Sigmund seit dem Jahre