Protestantismus und Gegenreformation im Beiche. 685
Reich der verbundenen Stände unter Mathias schien im Ent—⸗
stehen.

Vor allem aber trat jetzt die Kraft deutlich hervor, die
Mathias gleich einem verborgenen Quell angeschlagen und die
ihn mit geheimnisvoll-elementarer, gleichsam hydraulischer
Kraft gehoben hatte. Am 29. Juni 1608 schlossen die
ungarischen, österreichischen und mährischen Stände zu Sterbohol,
eine Meile vor Prag, einen geheimen Bund, worin sie sich zu
gegenseitigem Schutze der Freiheit des Gewissens und der
Religionsübung auch gegen ihren Landesherrn verpflichteten.
Indem Mathias sich den Ständen bis zur gegenseitigen
Gleichstellung genähert hatte, hatte er sich dem Protestantismus
sterreichs anvertraut; und dieser Vrotestantismus forderte
jetzt sein Recht.

Kein Zweifel, daß diese eigenartige Bewegung auf das
Reich zurückwirken würde. Schon im kölnischen Kriege hatte
der Kaiser den Austrag innerer Zwiste im Reiche durch die
Waffengewalt seiner Angehörigen nicht mehr verhindern können.
Dann hatten die inneren Wirren der habsburgischen Länder, wie
sie durch die Gegenreformation heraufbeschworen wurden, erst recht
jede thatkräftige Ausübung der kaiserlichen Gewalt im Reiche
ausgeschlossen, wie sie nur auf Grund einer wohlbefestigten
Hausmacht noch möglich war.

Jetzt nun zeigte es sich, daß der Kaiser nicht bloß politisch
und militärisch erlahmt war; es ergab sich zugleich, daß er
seine Hausmacht auch in Sachen der wichtigsten aller Fragen,
der Bekenntnisfrage, nicht mehr in seinem Sinne in die Wag⸗
chale werfen konnte: seine religiös moralische Autorität war
zerstört durch den merkwürdigen ständischen Sieg des öster⸗
reichischen Protestantismus.

Schon die Vorahnung dieser Zusammenhänge, wie sie unter
den protestantischen Beobachtern der habsburgischen Gegen—
reformation auftauchte, war politisch von Bedeutung; sie wie
die sich immer mehr vollendenden Thatsachen gaben dem Protestan⸗
tismus im Reiche wenigstens noch so viel Kraft, daß er die