692 J Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
ihrer Seite hatten sich schon seit der Sprengung des Deputations⸗
tages durch die Protestanten nach einem Schutze umgesehen;
seit den Vorgängen von Donauwörth teilte weiter Maximilian
von Bayern ihre Empfindungen; und die Kurie, längst auf
eine Einigung aller Katholiken bedacht, trat wenigstens der
einmal vorhandenen günstigen Stimmung nicht entgegen. Indes
die Dinge schritten auf katholischer Seite langsam voran.
Wie sollte das Verhältnis des neuen Bundes zu sterreich, als
dem Träger der verfassungsmäßig neutralen, parteilosen Kaiser—⸗
krone, geregelt werden? Und der Mainzer Erzbischof, dem als
rangersten der Kurfürsten die Verhandlungen zufielen, war lässig
und ungeschickt.

Da griff endlich Max von Bayern durch. Hatte er sich
in den ersten Jahren seiner Regierung von Reichssachen eigentlich
nur um die Türkengefahr ernfter gekümmert, so war er darauf
rasch zum geistigen und politischen Führer der Stände seines
Bekenntnisses geworden. In Verbindung mit dem Kurfürsten
Ernst von Köln brachte er es im Juni 1609 zu einer im Laufe
des Jahres 1610 noch besser ausgebildeten Liga zwischen den
drei rheinischen Kurfürsten, den Bischöfen von Würzburg, Augs⸗
burg, Konstanz, Regensburg und Passau, sowie einigen Prälaten
— also schwachen geistlichen Fürsten. Natürlich ward er Bundes⸗
leiter und Bundesfeldherr; die Kriegsbeisteuer des ersten Jahres
betrug 30 Römermonate.

So standen sich im Reiche Protestanten und Katholiken in
besonderen Buünden gegenüber; nur das Haus Habsburg und
das Haus Wettin hielten sich noch selbständig und abseits. In⸗
zwischen aber waren im Westen Ereignisse eingetreten, die eine
weitere Klärung der internationalen wie der nationalen Lage
bringen mußten.

Am 9. April 1609 war es, unter Vermittlung vornehmlich
König Heinrichs von Frankreich, zu einem waffenstillstandähn⸗
lichen Frieden auf zwölf Jahre zwischen den Generalstaaten und
Spanien gekommen!; ihm folgte am 17. Juni 1609 ein Ver—

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