Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, westfälischer Friede. 695
österreichischen Zusammenhänge treibe; er kam der deutschen
Union entgegen, die mit den protestantischen Inhabern Jülichs
gewillt war, gegen den Erzherzog Leopold zu rüsten; er begann
mit England und den Generalstaaten über deren Teilnahme an
dem kommenden Kriege zu verhandeln, und diese versprachen
im Februar und April 1610 eine nicht unbedeutende Truppen—
macht. Vor allem aber rüstete er selbst. Im Mai 1610 hatte
er 6000 Schweizer, 12000 Mann französischer Infanterie,
3500 Mann Kavallerie beisammen; man hörte, daß er in wenigen
Tagen zur Armee abgehen werde, um selbst den Oberbefehl zu
übernehmen: da ward er, am 14. Mai 1610, ermordet.

Es war nicht bloß das Ende der großen Pläne des
Königs. Frankreich schwenkte bis zu den Tagen, da Richelieu
die glänzende Politik des Toten wieder aufnahm, mehr oder
minder auf die Seite Spaniens; kaum daß es im Verein mit
den englischen, staatischen, deutschen Truppen den Erzherzog
Leopold aus Jülich vertreiben und damit die Jülicher Erbfolge—
frage zu gunsten der protestantischen Bewerber erledigen half.
Von etwas Weiterem war nicht die Rede.

Die unglücklichen Länder am Niederrhein aber fanden auch
jetzt noch nicht volle Ruhe. Schon früher hatte zwischen ihren
gemeinsamen protestantischen Besitzern gelegentlich Uneinigkeit
geherrscht. Jetzt, nachdem man des Druckes äußerer Feinde
ziemlich ledig war, verschärfte sich diese von Grad zu Grad,
und der verfehlte Versuch, durch eine Vermählung des Neu—
burgers Wolfgang Wilhelm mit der Tochter Johann Sig⸗
munds von Brandenburg den Frieden herzustellen, verdoppelte
sie zu erbittertem Hasse. In dieser Lage ward Wolfgang
Wilhelm katholisch und vermählte sich mit einer Schwester
seines Bekehrers Maximilian von Bayern; Johann Sigmund
andrerseits folgte einer längst in ihm empordringenden Ueber—
zeugung und trat zum Calvinismus über. Es war ein volles
Auseinandergehen der gemeinsamen Inhaber auf konfessionellem
Gebiete; es wurde politisch ergänzt, indem sich der Neuburger
der Liga, der Brandenburger der Union anschloß.

Sollte es nun zu neuen kriegerischen Vorgängen wegen

Lamprecht, Deutsche Geschichte V. 2. 15