396 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
der immer noch nicht völlig gelösten Erbfolgefrage kommen?
Auch diesmal wurde, trotz der Verheerung der jülichschen Lande
durch Truppen der Spanier wie der Generalstaaten, der
drohende Weltkrieg vermieden; der Vertrag von Xanten vom
10. November 1614 löste die Doppelregierung auf und teilte
den Erbbesitz: Cleve, Mark, Ravensberg und Ravenstein fielen
an Brandenburg, Jülich und Berg an Neuburg: keiner Partei,
weder der katholischen noch der protestantischen, war der
Niederrhein völlig zugefallen.

Natürlich aber führte diese Lösung wie die ihr voraus—
gehenden Ereignisse zu allem anderen, als zu einer Beruhigung
Deutschlands. Protestanten und Katholiken, Union und
Liga standen sich hier von Jahr zu Jahr feindlicher gegenüber,
und nur das Gefühl gegenseitiger Ohnmacht und die Furcht
vor der außerordentlichen Verantwortlichkeit, die jede Ent—
zündung der Kriegsfackel mit sich bringen mußte, hielten den
Frieden aufrecht. Andrerseits aber suchte man sich, aus den
gleichem Gefühl heraus, für alle Fälle internationale Ver—
stärkungen zu verschaffen. Die Union schloß im April 1612
einen Kriegsvertrag mit England ab, worauf sich ihr Führer,
Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz, der spätere Winterkönig,
mit einer Tochter König Jakobs J. vermählte; im Januar 1613
folgten Verhandlungen mit dem Schwedenkönig Gustav Adolf,
der den Protestanten schon damals als der Löwe aus Mitter—
nacht erschien; im Mai 1613 wurde auch mit den General—⸗
staaten ein Bund geschlossen. Die Liga aber beschloß im März
1613 mit Lothringen, Savoyen, dem Papste und Spanien zu
verhandeln und glaubte sich sicher, daß diese Schritte Frank—
reich nicht verletzen würden.

Unter diesen Umständen konnte man dem ersten Reichstage,
den der neue Kaiser Mathias etwa abhalten würde —
Rudolf II. war am 20. Januar 1612 gestorben — mit
Spannung entgegensehen. Am 183. August 1618 ward er zu
Regensburg eröffnet.

Trotzdem wurden die Aussichten, wenigstens von gewissen
Kreisen der kaiserlichen Regierung, als nicht allzu ungünstig