Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, westfälischer Friede. 701
In diesem Augenblick aber, da das Schicksal des Hauses
Habsburg von der Haltung der Stände abzuhängen schien, er—⸗
folgte der Umschlag. Am 24. März 1611 erschien, von den
böhmischen Ständen gerufen, Mathias in Prag; am 23. Mai
wurde er zum König von Böhmen gekrönt; am 20. Januar 1612
wurde Rudolf durch einen wohlthätigen Tod von seinen Leiden
erlöst; am 18. Juni ward Mathias einhellig zum römischen
Kaiser erkoren: alle österreichischen Lande hatten wieder einen
Herrscher, und dieser war zugleich Oberhaupt des Reiches.

Waren das dem Protestantismus und dem Ständetum
günstige Ereignisse? Die Vergangenheit des Hauses Habsburg
ließ keinen Zweifel darüber, daß jetzt Gegenreformation und
Stärkung der fürstlichen Gewalt die doppelte Losung sein
würden. Und hätte man es nur mit dem leichtlebigen Mathias
und seinem zu Zugeständnissen nötigenfalls bereiten Berater Klesl
zu thun gehabt! Aber schließlich gewann über den schwachen
Kaiser eine ganz anders gewillte Persönlichkeit Gewalt:
Ferdinand von Steiermark, der nachmalige Ferdinand II.

Ferdinand war als Sohn des milden Erzherzogs Karl
und einer bayrischen Prinzessin im Jahre 1578 geboren. Von
Natur mit der erblichen Leutseligkeit und Milde der Habs—
burger ausgestattet, geistig unbedeutend und entschlußschwer,
darum fremder Einsicht viel leichter als fremdem Willen folgend,
zeigte er vielleicht mehr, als irgend eine politische Persönlichkeit
seines Zeitalters, was jesuitische Erziehung vermochte. In
Ingolstadt zusammen mit seinem weit begabteren Vetter
Maximilian von Bayern den geistlichen Exerzitien und der huma—
nistischen Lehrmethode der Väter von der Gesellschaft Jesu unter—
worfen, hatte er noch jugendlich eine Reise nach Italien ge—
macht und sich in Loretto der heiligen Jungfrau zur Ver—
nichtung der Ketzer gelobt. Von diesem Tage an lebte in
seinem Kopfe fast nur dieser eine Gedanke im Sinne fast einer
überirdischen Inspiration; selbst der dämonische Wille eines
Wallenstein hat ihn später nur auf kurze Zeit ein wenig aus
seiner Richtung gelenkt. Hiervon abgesehen blieb der Fürst
bei allem Schwanken in der Wahl der Maßregeln seinem Ziele