704 Sechzehntes Buch. Viertes Rapitel.
sie ward in den Turm geworfen. Eine zweite Deputation
hatte das gleiche Schicksal. Die Gemeinde ward also nicht ge—
hört. So blieb nichts übrig, als daß die Defensoren der
protestantischen Kirche ihres Amtes warteten, die Ausführung
des Majestätsbriefes zu überwachen. Sie traten aus An—
laß des Falles zusammen und beriefen nun ihrerseits
zum 5. März 1618 eine Versammlung der protestantischen
Oberbeamten, Räte und Kreisdeputierten nach Prag; am
6. März begann diese Versammlung ihre Beratungen, und
entscheidend wirkte in ihr einer der Führer des böhmischen
Adels, Graf Heinrich Mathias von Thurn. Man kam zu—
nächst überein, eine Vorstellung wegen Verletzung des Majestäts—
briefes an die Prager Statthalterei einzuseuden; die Antwort
war ablehnend. Darauf ging man in gleichem Sinne an
Ferdinand selbst, nach Wien; es erfolgte eine noch weit schroffere
Abweisung, deren schriftliche Fassung den katholischen Statt—
haltereiräten Slawata und Martinitz zugeschrieben wurde.

Was nun? Man beschloß, im Mai von neuem zusammen⸗
zukommen; und man kam zusammen, trotz kaiserlichen Ver—
botes. War damit eine Bahn eingeschlagen, auf der es keine
Umkehr mehr gab, so machte ein Ereignis des 23. Mais den
offenen Kampf unvermeidlich. An diesem Tage zogen die
Protestanten in Prag bewaffnet zur Statthalterei, sie drangen
zum Sitzungssaale des Statthalters empor; ein heftiger Wort—
wechsel zwischen ihren Führern und den anwesenden Räten ent—
spann sich und endete damit, daß Martinitz, Slawata und der
gänzlich harmlose Sekretär Fabricius zum Fenster hinausgestürzt
wurden. Darauf ward eine provisorische Regierung eingesetzt,
ward ein Heer aufgestellt, wurden die Stände berufen. Es
war der Krieg gegen das Haus Habsburg.

Mathias, früh gealtert und lebenssatt, schwankte, was zu thun.
Klesl wollte hinhalten, bis man genügende Streitkräfte habe. Da
ließ Ferdinand am 20. Juli 1618 den unbequemen Ratgeber auf⸗
heben und in Schloß Amras bei Innsbruck festsetzen; und nun
mußte der willenlose Kaiser unter seinem Antrieb für die Aufstellung
kaiserlicher Heere unter Buquoi, Khuen und Dampierre sorgen.