Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, westfälischer Friede. 705
Inzwischen hatten die böhmischen Stände nicht gezaudert.
Ein ständisches Heer stand unter den Grafen Thurn und
Hohenlohe im Feld. Der Graf Ernst von Mansfeld, dieser
kühne und treulose Bastard des alten Grafenhauses, erschien
mit 2000 Mann zur Hilfe, scheinbar im Auftrage Kurfürst
Friedrichs V. von der Pfalz, des Hauptes der Union, in Wahr—
heit auf Kosten des Herzogs von Savoyen. Der schlesische
Fürstentag sandte 3000 Mann unter dem Markgrafen von
Jägerndorf. Die Wünsche der ungarischen, ober- und nieder—
österreichischen Stände waren mit den Böhmen.

So geschah, was geschehen mußte. Die kaiserlichen Heere
wurden geschlagen; die Mähren zeigten Neiaung, sich der böh—
mischen Bewegung anzuschließen.

In diesem Augenblicke starb Kaiser Mathias, Ferdinand
ward sichtbarer Leiter der habsburgischen Politik. Die Böhmen
begrüßten das Ereignis auf ihre Art. Fast zur selben Zeit, da
Ferdinand zum römischen Kaiser gewählt ward, am 19. August
1619, setzten sie ihn als König von Böhmen ab und wählten
darauf den Kurfürsten Friedrich von der Pfalz. Und Friedrich
nahm, nach manchem inneren Kampfe, an; am 3. November
empfing er im Dome des Hradschin die Krone.

Es war ein kühner Schritt; aber er schien zu glücken. Die
Böhmen hatten im Felde weitere Fortschritte gemacht; ihnen zum
Vorteil hatte Gabriel Bethlen, der tapfere, gewaltige und hinter—
listige Fuürst von Siebenbürgen, die protestantischen Ungarn in
Revolution versetzt, Preßburg eingenommen und Kaiser Ferdinand
durch Bedrohung Wiens zur Flucht über die Höhen des Gebirgs
nach Graz gezwungen. Konnten sich da die kaiserlichen Truppen
überhaupt noch in Böhmen halten? Buquoy zog sich zum Schutze
Wiens zurück, die Cechen folgten ihm: wenige Wochen nach
der Krönung des neuen Königs stand Graf Thurn vor den
Thoren der Kaiserstadt.

Aber in diesem Augenblicke begann der Umschwung.

Die protestantische Auflehnung in Ungarn ward durch den
Wagemut eines katholischen Edelmanns, Georg Drugeths de
Homonna, erstickt, der mit polnischen Kosacken von Norden her