706 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
einbrach; Gabriel Bethlen, von eechischen Subsidienzahlungen im
Stiche gelassen, gab die Bewegung gegen Wien auf; da konnte
sich denn auch das dechische Heer an der Donau nicht mehr
halten; am 5. Dezember zog es wiederum ab.

Und der kriegerischen Wendung folgten diplomatische Nieder—
lagen. König Jakob J. von England hatte sich, trotz der Sym—
pathien seines Volkes, nicht zur Unterstützung seines Schwieger—
sohnes entschließen können; er jagte dem Phantom einer englisch—
spanischen Verständigung nach. Dagegen hatten die General—
staaten Subsidien bewilligt. Unter diesen Umständen kam alles
auf die Haltung der protestantischen Union an: würde sie ihrem
Oberhaupte auch jetzt folgen, da er böhmischer König geworden
war? Es zeigte sich bald, daß bei der herkömmlichen Lauheit der
protestantischen Reichsstände daran nicht zu denken war: genug
schon, daß man endlich versprach, den König verteidigen zu wollen,
wenn er in seinen pfälzischen Erblanden angegriffen würde.

Wie anders gestaltete sich dem gegenüber die Lage auf katho—
lischer Seite. Zwar trat auch hier die eben wieder aufblühende
Liga keineswegs ohne weiteres für den Kaiser ein. Aber Ferdinand
hatte eingesehen, daß er ihrer unter allen Umständen bedurfte,
und er wußte, daß ihre Unterstützung durch Verhandlungen mit
einer einzigen Macht zu erreichen sei, mit Bayern. So wandte
er sich an seinen Jugendfreund, den Herzog Max. Und Max
fühlte seine Stunde gekommen. Am 8. Oktober 1619 schloß
er als Haupt der Liga mit dem Kaiser einen Bund, wonach die
Liga helfen wollte, doch nur gegen die schriftliche Verpfändung
aller österreichischen Besitzungen zur Wiedererstattung der Kriegs—
kosten und gegen das mündliche Versprechen, die pfälzische Kur
nach erlangtem Siege an Bayern übertragen zu wollen. Es
war für den Kaiser ein leoninischer Vertrag; seine Abmachungen
zogen das Reich in die inneren Konflikte seines Landes; seine
Konsequenzen mußten zum Verfassungsbruche im Reiche führen:
gleichwohl nahm er ihn an.

Und jetzt trat Herzog Max in die wichtigste Aktion seines
Lebens. Während er ein Heer aufstellte, vermochte er die Kurie
zu Geldzahlungen, gewann er Kursachsen für die Zwecke eines