708 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Damit war das Land reif auch für die Glaubenseinheit.
Denn was auch von wirtschaftlichen, sozialen, politischen Maß—
regeln getroffen war: alles zielte im letzten Grunde ab auf die
Vernichtung der Ketzer. Sie gelang. Wie Ferdinand den
Majestätsbrief des Jahres 1609 mit eignen Händen zerknitterte
und zerriß, so vertilgte und vertrieb er, was dem protestantischen
Namen zuschwor, im Lande: so sank die Bevölkerung um Hundert—
tausende, so verödeten die Bauernstellen des platten Landes wie
die emsigen Werkstätten der Bürger: aber die Einheit des
Glaubens ward hergestellt.

Und wie in Böhmen, so auch sonst auf habsburgischer
Erde. Die Rekatholisierung gsterreichs vollendete sich im wesent⸗
lichen mit der Niederlage des Winterkönigs. Damit ward
sterreich zu einem anderen Lande, als es sonst deutsche Länder
waren. Es wird anfangs noch zum Schauplatz, später zum
halben Friedhof besonderen geistigen Lebens; unsichtbare
Grenzen trennen es vom Reiche; höchstens von Bayern her
führen noch Zugänge in die dumpfe Luft des Südostens.

Die zweite große Folge der Prager Niederlage war die
Zerstörung der schon im Verenden begriffenen Union und die
Zurückdrängung des politischen Schwergewichts des deutschen
Protestantismus nach Norden zu, hin zu den Germanen Skan—
dinaviens.

König Friedrich hatte wirklich gemeint, er werde im Besitz
der pfälzischen Kur bleiben und für seinen Verzicht auf Böhmen
von Ferdinand Entschädigung erhalten. Eitle Hoffnungen!
Am 22. Januar 1621 that ihn der Kaiser in des Reiches Acht:
der böhmische Krieg, schon längst durch den Einbruch der
Spanier in die Pfalz kompliziert, ward nun völlig zum
pfälzischen.

Aber wer sollte ihn jetzt auf protestantischer Seite noch führen!
Die Union streckte von vornherein die Waffen; im Fluche der
Lächerlichkeit ging sie unter. Dafür nahmen sich nur noch
einige Idealisten und Freibeuter unter den protestantischen
Fürsten Mittel- und Norddeutschlands der Sache des Pfalz—
grafen an; sie stellten Heere auf, die nur von sich und durch