Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, westfälischer Friede. 709
sich, aus Kontribution und Requisition, Plünderung und Brand⸗
schatzung lebten: der Charakter des dreißigjährigen Krieges
kündigte sich an.

Schließlich traten die ungestümsten und räuberischsten dieser
Führer in den Vordergrund, der Bastard Ernst von Mansfeld
und der „tolle“ Christian von Braunschweig, Administrator des
Bistums Halberstadt. Sie trugen den Krieg teilweis nach
Westfalen; Christian zeigte hier edle Unparteilichkeit in gleich—
mäßiger Brandschatzung von Protestanten und Katholiken; dafür
ward er durch Zulauf von allerlei Volk geehrt, namentlich
nachdem er zu Osnabrück den silberschweren Reliquienschrein
des heiligen Liborius in rollende Thaler verwandelt hatte; mit
1500 Mann war er gekommen, mit 15000 zog er von dannen.
Vor allem aber lastete der Krieg auf den Rheingegenden der
Unterpfalz; nicht ungeschickt traten die protestantischen Fürsten
hier den Spaniern wie der Liga entgegen, und schließlich er⸗
freuten sich ihre Heere sogar der Anwesenheit des geächteten
Pfalzgrafen.

Hätte er nur auch bei ihnen ausgehalten! Allein während
sie sich, wenn auch nicht ohne Niederlagen (bei Wimpfen im
Mai, bei Höchst im Juni 1622), dennoch aufrecht hielten,
ließ er sich vom Kaiser zu dem Glauben bethören, daß er seinen
Erbbesitz wieder erhalten werde, wenn er sich seiner Parteigänger
entäußere. So zog er sich nach Holland zurück, verließ Mansfeld
und den Braunschweiger — und mußte mit ansehn, wie nun⸗
mehr Tilly das teure Heidelberg, das Hauptbollwerk des
Landes, einnahm.

Es war das Signal für Herzog Max von Bayern, dem Kaiser
seine Rechnung einzureichen. Und wie hatte er die Aussichten für
ihre Begleichung inzwischen verstärkt! Noch immer war er im
Pfandbesitz Oberösterreichs, und dank der einschneidenden Unter—
stützung seitens der Kurie hatte er es bei dem bigotten Kaiser
erreicht, daß das ursprünglich mündlich erteilte Versprechen der
pfälzischen Kurwürde ihm am 22. September 1621 schriftlich
erneuert worden war.

Was vermochte der Kaiser da noch zu thun? Was