Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, westfälischer Friede. 711
III.

Die protestantischen Stände Mittel- und Norddeutschlands,
auf die jetzt die Aufgabe des Widerstands übergegangen war,
entschlossen sich mit nichten zu dieser Antwort. Nur einer, der
Herzog Wilhelm von Weimar, rüstete. Der niedersächsische
Kreis dagegen, an dem es vor allem gewesen wäre, schlagfertig
aufzutreten, folgte nach kurzen Anläufen zur Energie der kur—
sächsischen Politik, die, anfangs etwas erregt, am Ende doch
in devoter Haltung zum Kaiser verharrte.

So bestand die Kriegsmacht der Protestanten schließlich in
dem kleinen Heer des Weimarer Herzogs und den noch
nicht aufgelösten Truppen Christians von Braunschweig.
Vereint wurden beide am 6. August 1623 bei Stadtlohn von
dem ligistischen Heere unter Tilly geschlagen; Weimar fiel in
die Hände Tillys, Christian rettete sich nach Holland; der
norddeutsche Protestantismus war entwaffnet.

Und schon drohte jetzt die Begleiterin der katholischen
Siege, die Gegenreformation. Wohin das Ligaheer des eifrig⸗
frommen Tilly kam, da wurde der Katholizismus wieder
erweckt oder neu gepflanzt. Vor allem aber griff jetzt der
Kaiser ein. Ihm allein war die Rekatholisierung der nord—
deutschen Bistümer durch Beseitigung der protestantischen
Administratoren auf schnellem Wege möglich; und alsbald
betrat er ihn. In Halberstadt war der Administrator Christian
vertrieben; ihm sollte als katholischer Bischof des Kaisers
Sohn Leopold Wilhelm folgen. Jeder Fortschritt in diesem
Sinne bedeutete aber zugleich die schwerste Schwächung der
politischen Kräfte des Protestantismus und eine neue Erhöhung
der kaiserlichen Gewalt. Verloren die protestantischen Fürsten
die einverleibten geistlichen Länder, so lag eine wirkungsvolle
Ausdehnung der kaiserlichen Macht nach Norddeutschland, eine
Festsetzung des Hauses Habsburg bis zu den Küsten der Nord⸗
und Ostsee nicht außer der Möglichkeit.

Das aber war eine Frage von internationaler Bedeutung.

Lamprecht, Deutsche Geschichte. V. 2. 46