Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, westfälischer Friede. 718
Doch hatten inzwischen auch die Protestanten im Einvernehmen
mit den Generalstaaten und mit England zu rüsten begonnen. Und
da sie sich allein nicht kräftig genug fühlten, so hatten sie
Hilfe gesucht im stkandinavischen Norden, der sich durch die
Vorahnung einer kräftigen Kaiserpolitik der katholischen Habs—
burger in Norddeutschland ebenfalls schon bedrückt sah.

Die nordgermanischen Länder standen von alters her in
den innigsten Kulturbeziehungen zum Reiche; bis tief ins
16. Jahrhundert waren sie fast als ein Teil Deutschlands
erschienenn; von ihm hatten sie das erneute Evangelium
erhalten, und der neuerdings stärker einsetzende holländische
Einfluß wirkte ebenfalls noch in deutsch-protestantischem Sinne.
Von ihnen aber kam jetzt vor allem Dänemark in Betracht.
Es war das Nachbarland des Reiches; sein König war als
Herzog von Holstein sogar Reichsfürst; schleswig-⸗holsteinische
Männer hatten in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts
seine zerborstene Staatsverfassung wieder hergestellt und die
letzten Angriffe der Hansen abgewehrt, so daß es jetzt machtvoll
dastand unter den Ländern des Nordens; und der regierende
Herrscher, Christian IV., war eng verflochten in die Sakulari⸗—
sationspolitik der norddeutschen Protestanten und zudem
Oheim des Winterkönigs. Gründe genug, sich Dänemark an—
zuvertrauen; am 3. April 1625 ward König Christian auf
einem Tage zu Lauenburg zum Führer der deutschen Prote—
stanten gewählt, und bald darauf erschien er mit 16000
Mann im Felde.

Und alsbald ordnete sich die lokale Erhebung des nordisch—
norddeutschen Protestantismus den internationalen Vorgängen
des Westens ein. Am 9. Dezember 1625 kam zwischen Eng—
land, Dänemark und den Generalstaaten ein Vertrag zu stande,
wonach, unter geheimer Subsidienzahlung und unter Einver—
ftändnis Frankreichs, der Dänenkönig gegen den Kaiser zu
Felde ziehen sollte, um Friedrich von der Pfalz in seine Erb⸗
lande zurückzuführen.

S. Band IV S. 488.