714 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
So hatten die Erfolge der Liga in Norddeutschland schließ—
lich eine allgemeine Erhebung aller feindlichen Mächte gegen
den Kaiser und das Haus Habsburg zur Folge: Ferdinand
mochte sehen, wie er sich der drohenden Übermacht erwehrte.
Und ihm stand nicht einmal die Kraft der Defensive zur Ver—
fügung! Sollte er sich da nochmals Bayern unterwerfen und
einen erneuten Löwenvertrag mit der Liga schließen?

In dieser ratlosen Not erbot sich ihm ein einfacher Heer—⸗
führer zur Rettung: Wallenstein.

Wallenstein war damals im thatkräftigsten Alter; er näherte
sich den vierziger Jahren. Von protestantischen Eltern ein—
fachen Adels abstammend, früh verwaist, nach dem Willen eines
katholischen Vormunds im Olmützer Jesuitenkolleg erzogen,
hatte er, soweit seine problematische Natur innigeren religiösen
Regungen zugänglich war, schon als Knabe beide Konfessionen
kennen und aus dieser doppelten Kenntnis heraus den konfessionellen
Zug der zeitgenössischen Welt abstreifen gelernt. Selbst die
jesuitischen Exerzitien hatten nichts über seine Verschlossenheit
vermocht; er studierte später auf der protestantischen Universität
Altorf, und er erbaute sich bald den besondern Glauben eines
mystischen Fatalismus. Schon im 15. und 16. Jahrhundert
hatten astrologische Träumereien eine Rolle gespielt; aus
uralter orientalischer Überlieferung emportauchend, waren sie
dem Wissenschaftssinne dieser Zeiten, wie er sich in kindlichen
Anfängen regte, als eine höhere Offenbarung entgegengetreten.
Und nun drangen sie von Menschenalter zu Menschenalter
mehr in die Kreise der Gebildeten vor, bis ihre Kenntnis und
der Enthusiasmus für sie fast als Zeichen vornehmer Bildung
gelten konnten. Wallenstein, schon früh ihr eifriger Zögling,
ward ganz der Ihre, nachdem ihm Kepler im Jahre 1609 aus
den Sternen geweissagt hatte, er sei zu den höchsten Dingen
berufen. Denn wie konnte ihn eine Lehre falsch dünken, die
ihm das Innerste eines vulkanischen Ehrgeizes enthüllte?

Wallenstein war eine der kalt-leidenschaftlichen Naturen,
deren scharfer Verstand die Menschenwelt als Ganzes über—
blickt, und deren Wille sich berufen fühlt, dies Ganze umzu—