Union und Liga, dreißigiähriger Krieg, westfälischer Friede. 713
gestalten nach den Zielen, die sich der eigenen Brust entringen.
Als Egoist von großer Anlage sah er dabei in sich instinktiv
den Lenker der deutschen, ja der occidentalen Geschicke; doch ver—
anlaßten ihn Wallungen eines gelegentlichen Idealismus wiederum
zu aufrichtigem Kampfe für die bestehenden höchsten Gewalten.
So stand er auf der Höhe seines Wirkens nicht ohne Wider—
spruch seines Wesens da, und eine Welt höchst eigenartiger
Ideen entrang sich jenem Streite, in dem er mit der Welt und
vor allem mit sich selbst verharrte.

In seinen jüngeren Jahren aber trat die Zwiespaltigkeit
seiner Natur, noch nicht dem Prüfungsfeuer der verantwort⸗
lichsten Stellungen ausgesetzt, minder hervor; und ihre ver—
borgenen Kräfte stählten sich zunächst nur in unablässiger
Thätigkeit des Gewinns und des organisatorischen Schaffens.
Mittel, die er einer Geldheirat verdankte, verdoppelte und ver—
dreifachte er in emsiger Werbung und Einschulung kaiserlicher
Truppen; als dann die Zeit der großen Vermögenskonfis—
kationen des eechisch-protestantischen Hochadels kam, kaufte er,
ein böhmischer Edelmann, mit fkrupellosem Geschick; das Jahr
1625 fand ihn als überreichen Grundherrn und Herzog von
Friedland.

Aber er war nicht bloß der zusammenraffende Millionär,
und Titel und Würden standen unter seinen Zielen. Der
Fürst blieb Oberst zweier Regimenter; er verschüttete nicht die
Quellen seines Reichtums und er erharrte der Ausbeutung seiner
militärischen Gewalt zu politischen Zwecken.

Da kam die Not Ferdinands. Wallenstein erbot sich zur
kostenlosen Aufstellung eines Heeres von 20000 Mann unter
eignem Oberbefehl, doch zur Verfügung des Kaisers. Konnte
Ferdinand ablehnen? Er ergriff die dargebotene Hand um so
mehr, als sich Wallenstein trotz aller ausbedungenen Freiheit
auf ein politisches Programm verpflichtete, das der kaiser—
lichen Politik gar nicht, der katholischen anscheinend wenig zu—
wider war. Gewiß durfte Wallenstein in sein Heer Protestanten
wie Katholiken aufnehmen, und allerdings ward festgesetzt, daß
er dem augsburgischen Bekenntnis keinen Eintrag thun solle.