716 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Aber daneben ward doch auch ausbedungen, daß er den Pro—
testanten den Vorwand der Religion möglichst benehmen werde,
mit dem sie bisher gegen Kaiser und Reich vorgegangen seien;
und klar lag besonders allen Bestimmungen der Heerführung
die Anschauung zu Grunde, daß die Wiederherstellung der
kaiserlichen Autorität über alle Reichsfürsten, gleichviel welchen
Bekenntnisses, oberstes Ziel sei.

Im Mai 16285 begann Wallenstein zu werben; in wenigen
Monaten hatte er ein Heer von etwa 30000 Mann beisammen.
Und wie organisierte und wie erhielt er es! Er hatte sich die
Ernennung der Offiziere aller Grade mit Ausnahme der Generäle
persönlich vorbehalten; sein Adlerauge erschaute jedes Verdienst;
seine harte Hand strafte jeden Verstoß; musterhaft nach den
Begriffen der Zeitgenossen war die Heereszucht. Und mit
weisem Vorbedacht schonte sein Führer zugleich die Hilfs—
quellen der Länder, von deren Fett es sich zu nähren hatte:
kein Plündern, kein Brandschatzen roher Söldner, statt dessen,
wenigstens der Intention nach, eine Kontribution, deren wenigst
drückende Form in freier Beratung mit den Betroffenen fest—
gesetzt ward.

Aber während Wallenstein warb und sammelte, war der
Krieg in Norddeutschland schon eröffnet worden. Freilich längst
nicht unter der Teilnahme aller Protestanten des Nordens; vor
allem Kursachsen und Kurbrandenburg hielten zurück. So sah
sich König Christian von Dänemark, als er Ende Juli von dem
Heere der Liga unter Tilly angegriffen wurde, im wesent⸗
lichen auf sein Heer und die Truppen Mansfelds und Braun—
schweigs angewiesen. Allein ehe etwas Entscheidendes geschah,
war auch Wallenstein am Platze; am 12. Oktober hatte er eine
Unterredung mit Tilly und besetzte nun, während Tilly die
Länder westlich vom Harze hielt, das Tiefland bis zur Elbe
östlich des Gebirges. Indes wer nun entscheidende Schläge
erwartet hatte, sah sich enttäuscht; zwischen den an Charakter und
Temperament gänzlich verschiedenen Feldherren kam es zu
keinem Einvernehmen; der Herbst 1625 ging in gegenseitigem
Warten verloren.