718 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
vember 1626, eröffnete dem Kaiser, dem die Handlungsweise
Wallensteins schon von mancher Seite verdächtigt worden war,
hierüber die intimen Ansichten seines Feldherrn. Wallenstein
fand, der Kaiser dürfe sich in große militärische Unternehmungen
nicht einlassen, gegen wen es auch immer sei, er habe denn ein
gewaltiges und schlagfertiges Heer in der Hand. Das Heer
müsse auf 70 000 Mann gebracht werden, dann sei es unüber—
windlich; der Kaiser könne es dann in den außerhabsburgischen
Teilen des Reiches einquartieren und mit seiner Hilfe die alte
Herrschergewalt im Reiche, ja die Universalgewalt über West—
europa aufrichten. So zögerte Wallenstein zu schlagen, um
seine Truppen zu vermehren, so kombinierte er militärische und
politische Zwecke, und die politischen Zwecke schienen ihm über⸗
geordnet. Und er kombinierte zu gunsten des Kaisers. Nur
die eine Frage blieb: würde Wallenstein dereinst, nachdem er
all seine Ideale namens des Kaisers verwirklicht hätte, vor dem
Kaiser zurücktreten? Das war die eine bohrende Frage, die
Ferdinand sich immer wieder vorzulegen hatte. Aber einstweilen
beantwortete er sie noch im Sinne Wallensteins; er ließ den
Staatsmann und Feldherrn gewähren.

Im Frühjahr 1627 brach Wallenstein von Neiße auf; half
sorgen, daß in Ungarn friedliche Zustände eintraten; sandte
dem katholischen Polenkönig ein Hilfskorps gegen die Angriffe
Gustav Adolfs von Schweden; säuberte Schlesien von feind⸗
lichen Truppen; warf den Dänenkönig aus Norddeutschland;
ließ sein Land bis tief nach Jutland hinein verwüsten, bis zu
jenem Ottensund hin, der seit den Tagen Kaiser Ottos des
Großen kein deutsches Heer gesehen hatte; schlug den Dänen⸗
könig, als er von Dänemark her noch einmal in Pommern ge⸗
landet war, bei Wolgast aufs Haupt und schloß mit ihm am
22. Mai 1629 zu Lübeck einen Frieden, in dem er jeder Ein—
wirkung auf die Verhälinisse im Reiche entsagen mußte. Schon
vorher, am 26. Januar 1628, war er vom Kaiser zum Herzog
von Mecklenburg gemacht worden; dann hatte er am 21. April
1628 den Titel eines Generals der kaiserlichen Schiffsarmada
zu Meer erhalten, und vor seinem Geiste waren die kühnen