Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, westfälischer Friede. 718
Bilder einer Verbindung der Ost- und Nordsee, sowie der An—
lage eines Kriegshafens im Jahdebusen, dort, wo heute Wilhelms—
haven steht, lockend emporgetaucht.

Was bedeutete dies alles? Wallenstein hatte in seiner
Weise das Programm von Bruck ausgeführt; Norddeutschland
war in der Gewalt nicht so sehr des katholischen Habsburgers,
als des römischen Kaisers. Und schon hatte Wallenstein seine
Pläne höher getrieben. Der kaiserlichen Gewalt im Reiche sollte
die kaiserliche Universalgewalt folgen. Darum mußte das
Dominium maris baltici gewonnen und nach Christian von
Dänemark Gustav Adolf von Schweden besiegt werden. War
das geschehen, so beherrschte der Kaiser, zumal Spanien und
Frankreich mittlerweile in Zwist geraten waren, Länder wie
Meere des Nordens und konnte dann vielleicht der Verwirk—
lichung des höchsten Traumes Wallensteins sich nähern, über
den dieser soeben des Papstes Meinung einholte: der heiligen
Impresa gegen Konstantinopel, des groß organisierten Kampfes
gegen die Türken, die Erbfeinde occidentalen Glaubens und
abendländischer Gesittung.

IV

Wallensteins Pläne waren groß und berückend. Aber
waren sie nicht auch problematisch und rätselhaft, wie die Person
ihres Urhebers? Wurzelten sie nicht, soweit sie völlig auf—
richtig waren, in mittelalterlichen Vorstellungen? Sollte die
Idee eines Universalreiches, wie sie in neueren Zeiten einem
Philipp II., Ludwig XIV. und Napoleon J. vergeblich vorge—
schwebt hat, diesem Kühnsten aller Condottiere Wirklichkeit werden?
Alle jungen Kräfte des 17. Jahrhunderts, der Gegensatz der
Konfessionen, das Selbständigkeitsgefühl der europäischen Staaten,
und nicht zum geringsten die Libertät des deutschen Fürsten—
tums widerstrebten dem.

Die Eifersucht eines Teils der deutschen Fürsten gegen
Wallenstein war schon früh erwacht. Als Wallenstein den Sieg
an der Dessauer Brücke nicht zur Vernichtung des nordischen