720 Sechzehntes Buch. Viertes RKapitel.
Protestantismus, sondern zur Stärkung der kaiserlichen Gewalt
gegen Gabriel Bethlen benutzte, da hatte ihn Kurfürst Max von
Bayern zum erstenmal gründlich beim Kaiser verdächtigt.
Und er konnte das, weil in der Seele des Kaisers noch unab⸗
geklärt die Strebungen auf Ausrottung des Protestantismus
und auf Erhöhung der kaiserlichen Gewalt miteinander rangen.

Freilich erzielte Max, auch als er namens aller Fürsten
der Liga im Februar 1627 seine Beschwerden gegen Wallenstein
wiederholte, zunächst noch keinen Erfolg; der Kaiser blieb, wenn
auch unter religiösen Bedenken, noch dem imperialistischen Ideal
seines Feldherrn getreu.

Aber nun gingen die katholischen Fürsten weiter. Traf
die wallensteinische Politik nicht in gleicher Weise auch die
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zur Vertretung ihrer Beschwerden beim Kaiser zu veranlassen.
Im Herbst 1627 trat zu Mühlhausen ein Kurfürstentag zu—
sammen, an dem auch Sachsen und Brandenburg teilnahmen;
er überreichte dem Kaiser eine heftige Klagschrift gegen Wallen—
stein, in der, unter leidlicher Verhüllung der eigentlichen Be—
schwerdepunkte, beweglich von den furchtbaren Kriegsdrang-
salierungen der kaiserlichen Truppen geredet ward.

Der ziemlich einzige Erfolg des Schrittes war, daß die
bestehenden Gegensätze deutlicher hervortraten. Wallenstein sprach
jetzt in Stunden des Unmuts, die ihn zu maßloser Offenheit
hinzureißen pflegten, davon, er werde die Kurfürsten Mores
lehren; das Reich müsse eine Erbmonarchie werden; und einer
seiner Vertrauten konnte äußern, im Reiche würden die Schäden
nicht aufhören, ehe nicht einmal einem Kurfürsten der Kopf
vor die Füße gelegt sei. Die Kurfürsten beider Bekenntnisse aber,
so in ihren Rechten, ja scheinbar in ihrem Dasein angegriffen,
redeten von einem Defensionswerk, wenn nicht gar von einem
Kampfe gegen den Generalissimus; und als der Kaiser die Be—
förderung seines Sohnes Ferdinand zum römischen Könige ein—
leitete, machten sie dessen Wahl von der Erledigung ihrer
Beschwerden gegen Wallenstein abhängig.

Da wich der Kaiser, niemals völlig den Ansichten Wallen—