Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, westfälischer Friede. 72)]
steins gewonnen, um einen Schritt zurück: er habe nie im—
perialistisch- revolutionäre Gedanken gegenüber den Fürsten ge—
habt. Allein indem er dies that, ward er naturgemäß auf den
katholischen Gedanken reduziert; und so fiel er, indem er das
Kurfürstenkolleg als Ganzes beruhigte, den katholischen
Fürsten in die Hände. In diesem Zusammenhange nun,
gedrängt von dem pädpstlichen Nuntius und der extrem
katholischen Partei am Wiener Hofe, unternahm der Kaiser einen
Schritt, der alle bisher errungenen Erfolge der Liga wie Wallen⸗
steins ausschließlich zum Vorteil des Katholizismus ausnutzte.

Am 6. März 1629 erschien ein kaiserliches Edikt, das die
Restitution alles geistlichen Besitzes aussprach, den die Pro—
testanten seit dem Passauer Vertrage erworben hatten; es war
der Entscheid aller wichtigen Streitpunkte seit dem Augsburger
Religionsfrieden zu gunsten der Katholiken. Wäre das Edikt
durchgeführt worden, so wären die Calvinisten vogelfrei ge—
wesen, auch die lutherischen Gläubigen katholischer Territorien
wären der Willkür ihrer Landesherren anheimgegeben gewesen,
und die Protestanten hätten den Katholiken neben einer unge—
zählten Menge von Klöstern und Stiftern zwei Erzbistümer und
zwölf Bistümer zurückgeben müssen, deren Bevölkerung inzwischen
größtenteils evangelisch geworden war.

Es war ein Schritt, der Wallensteins ganze Politik über
den Haufen warf; so konnte dieser ihn nicht anerkennen: er
hat den Hansestädten versichert, das Edikt könne gewißlich nicht
bestehen bleiben; er mißbilligte es offen, und er ignorierte
es so gut wie ganz, wo er das militärische Kommando besaß.

Damit hatten die katholischen Fürsten in den Bestimmungen
des nun einmal erlassenen Edikts den Hebel gefunden, um
Wallensteins Macht aus den Angeln zu werfen. Und bald
wurden sie in ihren Bestrebungen durch die internationale Lage
unterstützt. Wie hatte Richelieu in seinem immer ausge—
sprocheneren Gegensatz gegen die Habsburger längst daran ge⸗
arbeitet, diese des einzigen Feldherrn zu berauben, den sie be—
saßen! Und die Kurie, in Sachen des Restitutionsedikts an
sich der Meinung der deutschen Katholiken, dazu aus Gründen