724 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Charakter voller Leben und Leidenschaft, das war Gustav Adolf.
Leuchtend und sonnenhaft, ein blonder Riese, trat er daher;
mit feinster Bildung und majestätischer Sprachgewalt ver—
einigten sich in ihm die altgermanischen Tugenden sieghaften
Mutes, offener Herzlichkeit, ritterlichen Hochsinns und warm
liebender Treue. So war er ein schlimmer Gegner und dennoch
von seinen Gegnern persönlich geachtet, ein glaubensinniger und
glaubensstarker Mann und dennoch tolerant — vor allem aber
ein vorsichtiger Heerführer und zugleich ein todverachtender
Krieger, und im Hochgefühl dieses Wesens durchglüht vom
Drang nach Kampf, Siegsgeschrei und Nachruhm.

Der erste Gegner des Königs war Dänemark, die Vor—
macht der Ostsee. Kühn stürzte sich Gustav Adolf auf die weit
üherlegene Macht; der Friede zu Knäröd (1613) brachte zwar
keineswegs schon die Befreiung von ihr, verpflanzte aber dennoch
die blaugoldnen Fahnen nach Calmar, Hland und einigen an—
deren Punkten der schwedischen Küste. Neben dem Kampfe
gegen Dänemark aber mußte für Schweden vor allem, sollte
seine Hegemonie in der Ostsee dauernd gesichert sein, die Er—
oberung der Küsten des finnischen Meerbusens in Betracht
kommen. In hartem Kampfe mit dem damals durch innere
Wirren zerrissenen Rußland wurde sie erreicht; im Frieden von
Stolbowa (1617) fielen die altumstrittenen finnisch-russischen
Grenzgebiete am Ladoga und an der Newa sowie Ingermanland
unter die Herrschaft Gustav Adolfs. Indem aber so die schwe—
dische Obmacht sich an den nordischen Küsten des Ost- wie des
Westbeckens der Ostsee zu entfalten begann, trat sie gleichsam
in voller Front den Ansprüchen Polens, der Hauptmacht der
Südküsten, entgegen. Und hier verquickte sich nun der maritime
Gegensatz mit einem konfessionellen, ja einem dynastischen.

Die Polen hatten nach dem Tode Stephan Bathorys den
schwedischen Prinzen Sigismund zum König gewählt. Sigis—
mund war katholisch und der zur Nachfolge auch in Schweden
nächstberechtigte Sohn König Johanns III. von Schweden,
des zweiten Vorgängers von Gustav Adolf. So hätte eigentlich
er nach seines Vaters Tode zur Nachfolge auch in Schweden